Baumeister7x24 – Eine Fallstudie für die Wirtschaftsinformatik

Baumeister7x24 - Illustration für die Wirtschaftsinformatik-Fallstudie

Fallstudie Baumeister7x24
(Dienstleistungen rund um Haus und Bau)

Anhand der Fallstudie können Methoden der Wirtschaftsinformatik eingeübt werden: Systemarchitektur nach ARIS, Prozesse mit eEPK, Datenmodelle mit Relationen und ERM, Topologien, Mockups, Use Case Diagramme.

Die Namen in dieser Fallstudie sind frei erfunden und dienen lediglich der Dekoration. Ähnlichkeiten mit existierenden Personen sind allerdings beabsichtigt.

Die Firma Baumeister7x24

Bob Baumeister hat sein Heimwerkerhobby zum Beruf gemacht. Er bietet Dienstleistungen für Privathaushalte und private Bauherren an. Nahezu alle Gewerke, für die man keinen Meisterbrief benötigt, führt Bob Baumeister aus. Zu den Gewerken gehören Gartenpflege, Maurerarbeiten, Einkaufen und Besorgungen, Objektüberwachung und vieles mehr. Herr Baumeister möchte nicht mit seinem Privatvermögen haften, deshalb hat er das Unternehmen Baumeister7x24 als haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft (UG) angemeldet.

Team von Baumeister7x24

Bob Baumeister übernimmt die Kundenakquise und führt die Arbeiten aus, während  seine Frau Babsi Baumeister telefonische Anfragen entgegen nimmt und Rechnungen schreibt, wenn ein Kunde das wünscht. Babsi Baumeister kümmert sich um jeglichen Papierkram. Es gibt noch zwei Aushilfskräfte, Karl und Kurt, die Bob Baumeister je nach Bedarf einsetzt. Karl und Kurt freuen sich, wenn Sie besonders einfache Aufgaben für Baumeister7x24 erledigen dürfen.

Die Tochter der Baumeisters, Beate,  studiert im vierten Semester Wirtschaftsinformatik. Immer wenn es um „digitale Technik und Internet-Zeugs“ geht, fragt Bob Baumeister seine Tochter Beate.

Digitalisierung bei Baumeister7x24

IT-Landschaft

Bob Baumeister hat erkannt, dass ein Unternehmen ganz ohne digitale Methoden kaum am Markt überleben kann. Die IT-Landschaft bei Baumeister7x24 sieht wie folgt aus:
Baumeister7x24 hat einen Internetzugang über das Unternehmen 1und1. Als Router setzt Baumeister7x24 ein Gerät von Netgear ein. An den Router sind angeschlossen: Ein Faxgerät, zwei Notebooks (eins für die Büroarbeiten und eins zum Internet-surfen und youtube schauen), ein Laserdrucker, eine selbstgebaute Wetterstation basierend auf einem Microcontroller ESP8266 und verschiedenen Sensoren. Bob Baumeister nutzt intensiv sein Smartphone, sowohl über WLAN als auch über Mobilfunk. Meist verwendet er den Browser, spezielle Apps verwendet er nicht.

Auf den Büroarbeiten-Notebooks verwenden die Baumeisters Word für den Schriftverkehr und Excel für alle Berechnungen, auch für die Steuer fürs Finanzamt und die leidigen Offenlegungspflichten (Bilanz etc.). Für Mails verwenden die Baumeister das von 1und1 angebotene Web-Interface, also nur den Browser.

Internet und Cloud

Neben 1und1 hat Herr Baumeister noch einen Vertrag mit dem Unternehmen Domainfactory als Content-Provider. Er betreibt auf den Servern von Domainfactory die Website www.baumeister7x24.de, die nur aus einer einzigen statischen HTML-Seite (index.html) besteht – ein one-pager quasi als elektronische Visitenkarte.

Daten, die Bob mit seinen Kunden, seiner Familie oder seinen Freunden teilen will, speichert er in der Cloud. Bob Baumeister nutzt dazu Dropbox. In der Dropbox hat er ein Verzeichnis mit Namen „DOWNLOAD“ zum Lesen im Internet freigegeben, darin speichert er Fotos von bereits erledigten Aufträgen und Beschreibungen seiner Gewerke für seine Kunden. So muss er im Kundengespräch nur einen Link auf das Verzeichnis weitergeben.

Internet-Anwendung

Bob Baumeister möchte einen Mehrwertsteuer-Rechner haben und wird demnächst dazu auf seinem Internet-Server bei domainfactory eine HTML-Seite mit Formular und einem PHP-Script für die Mehrwertsteuerberechnung (mehrwertsteuer.html und mehrwertsteuer,php) bekommen. Der Mehrwertsteuer hat auch schon einen Namen, die Baumeisters nennen ihn „BauWert24“.

Topologie

Damit Bob den Überblick über seine Infrastruktur nicht verliert, soll Beate eine Topologie der IT-Landschaft bei Baumeister7x24 erstellen.

Mehrwertsteuer-Rechner

Die meisten Kunden wollen ein Angebot, manche eine Rechnung mit ausgewiesener Mehrwertsteuer – wegen der haushaltsnahen Dienstleistung in der Einkommensteuer. Manche Kunden wollen das nicht. Herr Baumeister liebt seine Arbeit, Dreisatz liebt er nicht. Er wünscht sich, dass er selber über seine Internetseite mit dem Smartphone  einfach einen Mehrwertsteuerrechner aufrufen kann, der ihm die lästige Rechnerei abnimmt, wenn er beim Kunden ist. Seine Tochter Beate sagt zu, für baumeister7x24 eine solchen Mehrwertsteuer-Rechner mit der Programmiersprache php zu bauen. Als angehende Wirtschaftsinformatikern programmiert Beate nicht drauflos, sondern erstellt erst einmal ein Konzept. Für die Anforderungsanalyse führt sie längere Gespräche mit Ihrem Vater und setzt ihre Notizen in Mockups und Use Case Diagramme um. Die Vernetzung in der Firma kennt Beate gut. Bei der Erstellung des Konzeptes orientiert sich Beate an ARIS, der Architektur Integrierter Informationssysteme.

Ablauf der Mehrwertsteuerberechnung, Aussehen der Anwendung

Bob Baumeister stellt sich das so vor, wenn er die Mehrwertsteuer berechnen will: Er ruft mit dem Browser im Smartphone die Seite baumeister7x24.de/mehrwertsteuer.html auf. Es erscheint ein einfaches Formular, in dem untereinander folgende Elemente angeordnet sind:

Erstens: Logo der Firma baumeister7x24 (Bob Baumeister sucht noch jemanden, der das für ihn entwirft).

Zweitens: Name der Anwendung, hier „BauWert24“.

Drittens: Eingabefeld für den Nettobetrag.

Viertens: Auswahlmöglichkeit für das Land, es sollen „DE“ und „NL“ angeboten werden.

Fünftens: Ein Button (Schaltfläche) mit der Aufschrift „Berechnen“. Das startet die Mehrwertsteuerberechnung, indem sie das Script mehrwertsteuer.php aufruft.

Herr Baumeister kann einen Nettobetrag in das Eingabefeld eingeben und auf die Schaltfläche drücken. Dadurch wird das Script mehrwertsteuer.php aufgerufen.

Das Script gibt in einem neuen Browserfenster das Tagesdatum und die Uhrzeit und lediglich vier Zahlen untereinander auf dem Display aus: Den Nettobetrag in Euro, den Mehrwertsteuersatz in Prozent, den Mehrwertsteuerbetrag in Euro und den Bruttobetrag in Euro. Herr Baumeister liest die Zahlen von seinem Smartphone ab und ist dann zufrieden.

Daten der Mehrwertsteuerberechnung

Bob Baumeister möchte gerne am Ende des Jahres wissen, wie oft und wann er den Mehrwertsteuerrechner genutzt hat. Dazu soll das Script folgende Daten bei jedem Aufruf in einer CSV-Datei (mehrwertsteuer.csv) speichern: Datum, Uhrzeit, Nettobetrag, Land, Bruttobetrag.

Die Speicherung soll auf dem Webserver erfolgen. Am Jahresende kann Babsi Baumeister die Datei durch Aufruf mit dem Browser herunterladen und dann in Excel einlesen und als Tabelle ausdrucken.

„Land“ ist deswegen wichtig, weil Bob Baumeister auch Kunden in den Niederlanden hat. Die Niederlande haben ein Mehrwertsteuersatz von derzeit 21%. Sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland könnte sich der Mehrwertsteuersatz ändern, daher plant Beate für später, die Mehrwertsteuersätze in einer Konfigurationsdatei zu speichern, in der man sie dann leicht ändern kann. Die Konfigurationsdatei ist eine Textdatei mit Namen land.csv und soll aus aus drei Zeilen bestehen. In der ersten Zeile, der Kopfzeile, steht „land;mwst“. In den weiteren Zeilen stehen die Länderkennung (DE für Deutschland und NL für die Niederlande) dann ein Semikolon und dann der jeweilige Mehrwertsteuersatz.

Algorithmus für den Mehrwertsteuer-Rechner

Der Algorithmus für den Mehrwertsteuer-Rechner ist denkbar einfach. Zunächst schreibt Beate den Algorithmus als Fließtext auf:
„Das Programm wird durch den HTTP-Aufruf gestartet. Die Eingangsparameter sind „netto“ und „land“.

Im ersten Schritt wird in der Variablen "zeit" der Zeitstempel menschenlesbar mit Datum und Uhrzeit gespeichert.

Im zweiten Schritt wird unterschieden, ob als Land "DE" oder "NL" angegeben wurde. Im Falle von DE kommt in die Variable "mwstsatz" 0,19, Im Falle NL 0,21.

Im Dritten Schritt wird die Mehrwertsteuer berechnet - die Formel sucht sich Beate im Internet. Die Mehrwertsteuer wird in der variablen "mwst" gespeichert. Dann wird noch "brutto" ausgerechnet - auch diese Formel such sich Beate im Internet.

Zuletzt werden die Variablen zeit, netto, mwstsatz, mwst, brutto ausgegeben.

Beate hat vor, den Algorithmus als Flussdiagramm nach DIN 66001 aufzumalen, damit sie sich schneller darin zurecht findet.

Das Projekt

Projektplanung

Beate will auch auch die Programmierung des Mehrwertsteuerrechners methodisch angehen. Dazu entwirft sie einen Projektstrukturplan und schreibt alles auf, was im Projekt getan werden muss: Planung mit Anforderungsanalyse und Architektur, Programmierung und technische Tests, Tests mit mehreren Anwendern, Übergabe an ihren Vater Bob.

Beate arbeitet stets konzentriert und zügig. Bei der Umsetzung des Strukturplans in den Projektterminplan setzt sie keine Pufferzeiten an.

Anwendertest

Erst wenn der Mehrwertsteuer-Rechner perfekt funktioniert, soll die Übergabe an ihren Vater Bob erfolgen. Der neuralgische Punkt ist der Test mit mehreren Anwendern. Die Aushilfskräfte Kurt und Karl sind für die Tests aufgrund ihrer kognitiven Ausstattung (DAU) gut geeignet.

Beate fürchtet allerdings, dass Kurt und Karl mit wenig Begeisterung an die Tests herangehen werden. Um die Motivation von Kurt und Karl zu erhöhen, will sie Gamification nutzen. Mit ihrer Freundin Tonja, die in der Tabakgarage arbeitet, unterhält sie sich daher oft über mögliche Game-Design-Elemente. Tonja und Beate haben auch schon eine kleine Liste mit Game-Design-Elementen angefertigt.

Vorgehensmodell

Beate entwickelt den Mehrwertsteuer-Rechner allein. Wenn Sie die Anforderungsanalyse mit Bob durchgesprochen hat, erwartet Sie keine Änderungen mehr im Projekt. Sie entscheidet sich daher für ein sequenzielles Vorgehen (Wasserfall-Modell) und nicht für eine agile Methode (SCRUM)

 

Weitere Fallstudien

Tabakgarage – Eine Fallstudie für die Wirtschaftsinformatik

Kaffeemanufaktur „Kleiner Schwarzer“ –  Eine Fallstudie für die Wirtschaftsinformatik

Quellen

Hinweise zur Systemarchitektur-Modellierung für diese Fallstudie

Methoden der Wirtschaftsinformatik – Überblick

ARIS – was ist die Architektur integrierter Informationssysteme?

Topologie

Datenmodellierung mit dem Relationenmodell nach Codd

Algorithmus – Kochrezept für Handlungsabläufe

Flussdiagramm – Algorithmen visualisieren

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