Tabakgarage – Eine Fallstudie für die Wirtschaftsinformatik

Fallstudie Tabakgarage (ungesunde Sachen stationär und online verkaufen) Anhand der Fallstudie können Methoden der Wirtschaftsinformatik eingeübt werden: Systemarchitektur nach ARIS, Prozesse mit eEPK, Datenmodelle mit Relationen und ERM, Topologien, Mockups, Use Case Diagramme.

Stand: 01.06.2021

Firma

Arnold Schwarzhand liebt Zigarren. Arnold arbeite früher in einer Druckerei. Beides Zusammen war seiner Lungenfunktion nicht zuträglich, er ist nun Frührentner muss sich neu orientieren. Medien und Internet haben ihn immer interessiert,  programmieren hat er sich selber beigebracht. Seine Frau Sonja vertreibt selbstständig und erfolgreich Tupperware und Schaukampfschwerter. Sonja nimmt Arnold gerne auf Mittelalter-Festivals mit, auf denen Sie ihre Schaukampfschwerter anbietet. Arnold stürzt sich motiviert in das Abenteuer „Gründung im stationären Handel“ und macht in seiner Garage einen Tabakladen auf[1].  Das Unternehmen nennt er „Tabakgarage“ und er startet mit genau drei Zigarrensorten: Rote Virginier (echt mit Halm), Brasil Zigarillos und Kentucky Darkfired  Americanos. Sonja Schwarzhand mag im Übrigen lieber Katzen als Zigarren.

Team der Tabakgarage

Arnold Schwarzhand macht vom Einkauf bis zum Verkauf alles selbst. Seine Frau Sonja nimmt telefonische Anfragen entgegen, schreibt Rechnungen für die Zigarren, wenn sie gewünscht sind, und unterstützt beim Papierkram und der Steuer. Sonja ist mit Melitta Malzkanne befreundet, die die Kaffeemanufaktur „Kleiner Schwarzer“ betreibt. Dort haben sich die Schwarzhands auch mal angeschaut, wie Digitalisierung in einem kleinen Unternehmen funktionieren kann.

Digitalisierung

Arnold Schwarzhand geht mit der Zeit und stellt sein Tabakgarage digital auf.

Seinen Internetzugang hat er über das Unternehmen 1und1. Als Router hat er eine FritzBox. An die Fritzbox sind angeschlossen: Ein Faxgerät, ein Notebook für die Büroarbeiten und zum Internet-surfen, ein Laserdrucker für Rechnungen, ein elektronisch über das Internet überwachter Humidor[2] basierend auf einem Raspberry Pi. Der Humidor hält die Zigarren frisch.

Arnold Schwarzhand nutzt intensiv sein Smartphone, sowohl über WLAN als auch über Mobilfunk. Meist verwendet er den Browser, spezielle Apps verwendet er nicht. Mit dem Smartphone schaut er sich die Online-verkäufe an und kontrolliert die Luftfeuchte im Humidor.

Auf den Notebooks verwenden die Schwarzhands Das Programm Word für den Schriftverkehr und Excel für alle Berechnungen. Für Mails verwenden die Schwarzhands das von 1und1 angebotene Web-Interface, also nur den Browser.

Neben 1und1 hat Arnold Schwarzhand noch einen Vertrag mit dem Unternehmen Domainfactory als Content-Provider. Er betreibt auf einem Internet-Server von Domainfactory die Website www.tabakgarage.de, die aus zwei Komponenten besteht:

  1. Einer HTML-Seite (index.html), die lediglich Informationen über das Unternehmen, die Anfahrtsbeschreibung und Bilder der Zigarren enthält.
  2. Eine HTML-Seite mit Formular und einem PHP-Script für die Speicherung der Bestellung. (bestellung.html und bestellung,php). Arnold Schwarzhand hat Bedenken wegen der DSVGO und verzichtet daher auf Kontaktformulare und ähnliches. Die Bestellungen werden von bestellung.php in einer einfachen CSV-Datei auf dem Webserver gespeichert.

Ablauf einer Zigarren-Online-Bestellung

Ein Kunde ruft die Seite tabakgarage.de auf, klickt auf den Link „Shop“ und sieht das Formular bestellung.html. Das Formular hat ein Eingabefeld für die Kundendaten (Name, Adresse). Im Weiteren sind die drei Zigarrensorten mit den Nummern 01, 02, und 03 untereinander aufgeführt. Zu jeder Zigarrensorte gibt es ein Bild einer Zigarre der jeweiligen Art. Rechts daneben ist ein Eingabefeld, in das ein Kunde die Anzahl der gewünschten Pakete eintragen kann.

Unten auf der Seite ist ein Absendebutton.

Drückt ein Kunde auf den Absendebutton, erscheint eine Seite mit den eingegebenen Kundendaten und mit einer Liste seiner Bestellung. Die kann eine Kunde nun bestätigen oder nicht. Dazu gibt es die Buttons „Abbrechen“ und „Verbindlich bestellen“. Bei Abbrechen wird wieder die Leitseite tabakgarage.de aufgerufen. Bei „Verbindlich bestellen“ werden die Daten aus dem Formular in einer Zeile mit „;“ getrennt in die Datei bestellung.csv geschrieben und „Danke für Ihre Bestellung“  angezeigt. An einem Zeitstempel in einem Datensatz erkennt Arnold, ob die Bestellung von gestern ist oder ob es eine neue Bestellung ist, die er bearbeiten muss.

Arnold lädt jeden Abend die Datei bestellung.csv mit dem Browser herunter und wertet sie dann in Excel aus. Dabei schaut er sich nur die neuen Einträge an, die er an einem Zeitstempel erkennt. Für alle neuen Bestellungen packt er ein Päckchen und legt die Rechnung dazu. Am Folgetag gehen die Päckchen in die Post.

Der Humidor – das Digitalisierungsprojekt

Arnold hat seinen Humidor selbst gebaut. Im Innenraum montierte er einen kombinierten Temperatur- und Feuchtesensor (einen DHT22). Der Sensor ist an einen Raspberry Pi Zero angeschlossen. Der Raspberry Pi kann über das WLAN mit einem PHP-Script humidor.php auf dem Webserver kommunizieren. Außerdem sind drei Leuchtdioden am Raspberry angeschlossen. Die grüne leuchtet, wenn die relative Luftfeuchte (im weiteren nur Luftfeuchte genannt. Die meisten Sensoren messen die relative Luftfeuchte)  im Humidor zwischen 68% und 75% relativer Luftfeuchte ist, die blaue bei über 75% Luftfeuchte und die rote bei unter 68% Luftfeuchte. Der Raspberry misst die Luftfeuchte und die Temperatur jede Minute. Dazu hat Arnold ein einfaches Python-Programm humidor.py geschrieben. humidor.py misst die Temperatur und die Luftfeuchte, vergleicht mit den Sollwerten, schaltet die entsprechende Leuchtdiode ein und überträgt zusätzlich die Innentemperatur und und die Luftfeuchte an den Webservice humidor.php über das Anwendungsprotokoll https. Das Programm ist dann zu Ende. Damit der Prozess jede Minute einmal durch läuft, wird es auf dem Raspberry in CRON eingetragen und so jede Minute automatisch gestartet. Der Webservice schreibt die Temperatur und die Luftfeuchte einfach in eine Datei humidor.txt auf dem Webserver, so dass sich Arnold über das Internet immer die aktuellen Daten anschauen kann.

Sonja denkt über Spielertypen nach.

Sonja überlegt, ob sie Ihre Kunden etwas besser verstehen kann. Dann könnte Sie mit spielerischen Maßnahmen vielleicht den Verkaufserfolg ihrer Schaukampfschwerter steigern. Sie findet das Spielertypenmodell von Bartle. Sie überlegt, wie hoch bei einem typischen Kunden der persönliche Anteil am jeweiligen Typus sein könnte. Sie nimmt die Taxononomie von Bartle, stellt sich den typischen Käufer Ihrer Schwerter vor, und schätzt „aus dem Bauch“ die Anteile in Prozent für den jeweiligen Spielertyp. Sie ahnt: Iher Kunden sind im Schnitt nicht 90% Achiever ….

Erweiterung der Fallstudie Sonja Schwarzhand will Katzenaccessoires verkaufen.

Nach dem Erfolg des Online-Zigarrenhandels über tabakgarage.de will Sonja Schwarzhand auch lernen, wie man eine Internetseite programmiert. Dazu bekommt sie von Ihrem Mann Arnold eine kleine Aufgabe, mit der sie alles üben kann, um eine Seite für Ihren Katzenshop aufzubauen.

Weitere Fallstudien

Baumeister7x24 – Eine Fallstudie für die Wirtschaftsinformatik

Kaffemanufaktur „Kleiner Schwarzer“ – Eine Fallstudie für die Wirtschaftsinformatik

Fußnoten zur Tabakgarage

[1] Die Geschichte ist nur halb erfunden, im Schwarzwald gibt es eine Zigarrenmanufaktur, die arbeitet ähnlich. Die handelnden Personen hier sind fiktiv, Sie finden ähnliche Personentypen im Film und in Marvel-Comics.

[2] Ein Humidor ist ein Schrank  der mit ein wenig Elektronik die Luftfeuchtigkeit für die eingelagerten Zigarren konstant hält. Der Schrank ist innen aus spanischem Zedernholz, das folgende drei Eigenschaften hat:
Schutz vor Tabakwürmern durch die besonderen Duftstoffe des Holzes,
hohe Speicherfähigkeit von Feuchtigkeit – dies gewährleistet ein gleichmäßigeres Klima im Humidor,
und eine positive Wirkung auf das Aroma der Zigarren.

 

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