Tropilaelaps vs. Varroa – Untergang der Imkerei?

Zeichnung von Parasiten der Honigbiene - Varroa, Tropilaelaps, Bienenlaus, Tracheenmilbe

Die Tropilaelaps Milbe gehört zu den anzeigepflichtigen Bienenerkrankungen. Im Gegensatz dazu ist Varroa destructor nicht meldepflichtig. Bislang stellt sie in unseren Breiten kein Problem dar, ihre Verbreitung wird allerdings beobachtet. Das Titelbild zeigt verschiedene Bienen-Parasiten, also Schädlinge: 1 Varroa 2 Tropilaelaps 3 Tracheenmilbe und ehre harmlose Kommensalen: 4 Pollenmilbe 5 Bienenlaus.
Dieser Beitrag ist der begleitende Text zum Vortrag „Tropilaelaps vs. Varroa – Untergang der Imkerei oder harmloser Aufreger?“

Stand 03.05.2026

 

Die Tropilaelapps-Milbe erkennen

Abb.: Tropilaelaps-Milbe im Vergleich zu anderen (möglichen) Mitbewohnern im Bienenstock. Es bedeuten:
(1) Tropilaelaps
(2) Varroa
(3) Bienenlaus, harmlos, ausgestorben
(4) Pollenmilbe, harmlos, häufig

Abb.: Varroa-Milben im Gegenlicht, zum Vergleich ein Streichholzkopf

Das Bild zeigt eine Aufnahme einer Varroamilbe und einer TRopilaelaps-Milbe von unten.

Abb.: Varroa-Milbe (links) und Tropilaelaps-Milbe (rechts) von unten

Abb.: Harmlose Pollenmilben auf dem Boden-Schieber. Zu sehen sind auch Wacshschüppchen und Larventeile, die auf ein VSH-Verhalten der Biinen hindeuten. Noch offen ist, ob ein Resistenzverhalten auch gegen die Tropilaelaps Milbe zu beobachten sein wird.

 

 

Vorkommen der Tropliaelaps-Milbe

Die Tropilaelaps Milbe kommt aus Asien. Sie ist kleiner als die Varroa-Milbe und hat in unseren Breitengraden auch erhebliche Probleme, sich zu vermehren. Im Gegensatz zu Varroa kann sie nicht lange auf erwachsenen Bienen überleben, da ihre Mundwerkzeuge die Biene nicht anbohren können. Mit den normalen Varroabehandlunsgstategien, insbesondere mit organischen Säuren, sind auch die Lebensbedingungen für die Tropilaelaps-Milbe eher schlecht.

Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass sich das im Rahmen der Klimaveränderung auch ändert. An der Schwarzmeerküste und in der Türkei soll sie gesichtet worden sein, der Stamm Tropilaelaps mercedesae ist nun mittels DNA-Test in Georgien nachgewiesen.

Abb. : Tropilaelaps-Funde auf Europakarte, Stand Juli 2025

Tropilaelaps ist anzeigepflichtig

Anzeigepflichtig sind in Deutschland die Bienenseuchen Amerikanische Faulbrut (AFB), kleiner Beutenkäfer und Tropilaelaps-Milbe. Bislang von Relevanz ist allerdings lediglich die Amerikanische Faulbrut, und auch diese tritt durch eine durchgängig bessere Hygiene am Bienenstand immer seltener auf.

Harmlose Kommensalen – Pollenmilben

Nicht verunsichern lassen sollt man sich von Milbengewusel auf dem Varroa-Schieber. Was der Tropilaelaps-Milbe zunächst ähnlich sieht, sind nur harmlose Pollen-Milben, die sich von den abgestreiften Pollenhöschen ernähren.

Ist die Tropilaelaps-Milbe eine akute Gefahr? Eine Einschätzung.

„Ein Überleben der (Tropilaelaps-)Milbe ist in der brutlosen Winterpause nicht zu erwarten“ (Pohl 2019). Die Sichtung der Tropilaelaps-Milbe in Europa ist einige tausend Kilometer von Deutschland entfernt. Eine rasante Ausbreitung in Richtung Deutschland wurde in den vergangenen zwei Jahren nicht beobachtet. Einige Varroa-Behandlungsmittel wirken auch gut gegen Tropilaelaps (Ameisensäure).

Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass Imker mit dem üblichen Dreiklang a) Ruhe bewahren b) ein vernünftiges Varroakonzept und c) gute Praxis und Hygiene am Bienenstand gut gegen die Tropilaelaps-Milbe gerüstet sind.

Nach meiner persönlichen Einschätzung stellt die Varroa-Milbe zur Zeit keine akute Gefahr dar.

Anhang

Quellen und Links

Mehr Tiere im Bienenstock: https://cbrell.de/blog/bienenstockleben-artenvielfalt-in-halben-millimetern/

Siehe auch: Bienenkrankheiten nach Kategorien

Tropilaelaps beim Friedrich-Löffler Institut  https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/bienenkrankheiten/bilder-tropilaelaps-milbe

GEOGRAPHICAL SPREAD OF THE EXOTIC MITE TROPILAELAPS SPP.: PRESENCE SUSPECTED IN BELARUS AND CRIMEA geographical-spread-exotic-mite-tropilaelaps-spp-presence-suspected-belarus-and-0

Pias Dropbox

Pohl, Friedrich (2019) Handbuch Bienenkrankheiten. Stuttgart S.116 ff.

Worm, Marek (2024) Tropilaelaps erstmals in Georgien gefunden. In: bienen&natur 12/24, S. 6

 

Glossar

Milben

Milben (Acari) sind keine Insekten, sondern bilden eine Unterklasse der Spinnentiere (Arachnida). Mit weltweit über 50.000 beschriebenen Arten  sind sie zu vielfältigte und erfolgreiche Lebewesen.

Biologische Merkmale und Abgrenzung

Für den Imker ist die Unterscheidung zwischen Insekt (Biene) und Spinnentier (Milbe) grundlegend. Während die Biene einen dreigeteilten Körper und sechs Beine besitzt, weisen adulte Milben charakteristische Merkmale auf:

  • Körperbau: Im Gegensatz zu Insekten ist der Körper der Milbe nicht deutlich in Kopf, Brust und Hinterleib segmentiert. Stattdessen sind Vorderkörper (Gnathosoma) und Hinterkörper (Idiosoma) meist zu einer Einheit verschmolzen.

  • Extremitäten: Erwachsene Milben besitzen acht Beine. Ein wichtiges Detail für die Diagnose: Larvenstadien schlüpfen oft mit nur sechs Beinen und entwickeln das vierte Paar erst nach der ersten Häutung.

  • Größe: Die meisten Milben sind klein, was ihre Entdeckung in der Beute oft erst ermöglicht, wenn der Befall bereits kritische Ausmaße angenommen hat.

Merkmal Insekten (z. B. Biene) Milben (Acari)
Klasse Insecta Arachnida
Beinpaare 3 Paare (6 Beine) 4 Paare (8 Beine)
Flügel Meist vorhanden Nie vorhanden
Körpergliederung Kopf, Thorax, Abdomen Gnathosoma, Idiosoma
Die Milbe als Parasit

In der Evolution haben Milben nahezu jeden Lebensraum besiedelt. Innerhalb der Imkerpraxis begegnen uns vor allem die parasitär lebenden Arten. Dabei unterscheiden wir grob zwischen zwei Lebensweisen:

  1. Ektoparasiten: Sie leben auf der Außenhülle ihres Wirts (z. B. Varroa destructor oder Tropilaelaps).

  2. Endoparasiten: Sie dringen in das Innere des Wirts vor (z. B. die Tracheenmilbe Acarapis woodi).

Warum Milben für soziale Insekten gefährlich sein können

Milben haben sich an die Lebensweise von Honigbienen angepasst. Die hohe Individuendichte im Volk, die konstante Temperatur und die Verfügbarkeit von Brut als Nahrungsquelle bieten gute Bedingungen für eine schnelle Vermehrung der Milben.

Dank

Ich danke den Imkerkolleginnen und -kollegen in den Vereinen Imkerverein Viersen Stadt (80 Mitglieder) und Imkerverein Krefeld (130 Mitglieder) für die stete Diskussionsbereitschaft und konstruktive Kritik.

Autor und Lizenz

Prof. Dr. Claus Brell

Bienensachverständiger NRW

Wespen- und Hornissenberater

Obmann für neue imkerliche Betriebsweisen im Kreisverband Viersen

aktuelle Projekte: Anti-Velutina-Flugloch-Einengung,  Biene40,Steel4Bees

CC BY 
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