Senatspreis 2021 Digitalisierung der Bienenhaltung – Vorschlag

Vorschlag für den Senatspreis 2021
Hier: Yvonne Schmitz mit ihrer Bachelorarbeit im Berufsbegleitenden Betriebswirtschaftlichen Studiengang (BBS) „Digitalisierung der Bienenhaltung – Marktpotenziale für Trachtwaagen und weitere Sensoren im deutschsprachigen Raum“ im Sommersemester 2021

Sehr geehrter Prüfungsausschuss,

hiermit schlage ich Yvonne Schmitz für den Senatspreis vor und bitte, meinen Vorschlag an den Senat weiterzuleiten.
Die Arbeit von Frau Schmitz ist herausragend hinsichtlich mehrerer Kategorien:
• Wissenschaft (trägt unmittelbar zu einem laufenden Forschungsprojekt bei)
• Gesellschaft & Ökologie (adressiert ein wesentliches Thema in Deutschland: die Erhöhung der Anzahl der Bestäuberinsekten)
• Ökonomie (Potenziale ergeben sich insbesondere für StartUps in der Region, für die die Chancen in der Arbeit herausgearbeitet wurden).

Begründung

Qualität: Die Arbeit genügt nach Einschätzung des Erstgutachters Anforderungen, die auch an eine Dissertation gestellt werden könnten. Frau Schmitz hat mit einem klugen Methodenmix (Systematische Literaturrecherche, hypothesengenerierende Online-Befragung von Bienenhaltern (n=65), Interviews mit Mönchengladbacher StartUps, gestaltungsorientiertem Ansatz) relevante Ergebnisse erzielt, die eine Forschungslücke adressieren.

Gesellschaftliche und ökologische Relevanz: Das Interesse an digitalen Werkzeugen für die Bienenhaltung, bislang eher ein Thema für Forscher, wächst zunehmend auch in der Imkerpraxis. So ermöglichen digitale Analysewerkzeuge eine Arbeitserleichterung für Imker und eine Steigerung der Gesundheit der Bienen.
Das ist wesentlich, da wir in Deutschland erstens eine Unterdeckung an Bestäubungsleistung haben und zweitens im internationalen Vergleich den höchsten Verbrauch an Bienenprodukten (Honig, Wachs, Pollen, Propolis) aufweisen, aber lediglich 20% dieser Produkte selber erzeugen. Die Bienenprodukt-Importe sind problematisch (Lebensmittelfälschung, Krankheitserreger wie die amerikanische Faulbrut).

Forschungsbezug: Digitalisierung der Bienenhaltung wird als Möglichkeit gesehen, die Anzahl der gesunden Bienenvölker in Deutschland zu erhöhen. Daher adressieren aktuelle Förderprogramme die Digitalisierung der Bienenhaltung – die Hochschule Niederrhein bekam im März 2021 den Zuschlag für ein vom BMEL geförderten Projekt „Biene40“ (http://bieneviernull.de), Mitte September hat die Hochschule Niederrhein einen weiteren Förderantrag „AI4Bee“ im Programm ZIM gestellt.

Inhalt der Arbeit:

Das Ziel der vorliegenden Arbeit war es, das Marktpotenzial für die digitale Unterstützung der Bienenhaltung zu ermitteln. Zunächst wurden Quellen über die digitale Unterstützung der Bienenhaltung in der wissenschaftlichen Literatur identifiziert. Anschließend wurden Imker (n=65, Imker aus Krefeld, Mönchengladbach, Viersen, Köln) in einer Online-Umfrage nach ihren Einstellungen und Erfahrungen zu digitalen Werkzeugen befragt. Das Marktpotenzial, das sich daraus für StartUps ergibt, wurde in darauffolgenden Interviews mit Mönchengladbacher Gründern betrachtet.

Im Ergebnis: Die wissenschaftlichen Publikationen und auch die erhobene Praxis der Bienenhaltung adressiert im Schwerpunkt Technologien für die die Gewichts- und Temperaturüberwachung von Bienenvölkern. Die empirische Erhebung offenbart, dass die Mehrheit der Imker digitalen Werkzeugen gegenüber aufgeschlossen ist und mit ihrem Einsatz Vorteile verbindet. Einige Imker haben bereits aktiv Erfahrungen gesammelt. Es gibt jedoch viele Imkern, die aktuell (noch) keine digitalen Werkzeuge einsetzen. Zu den Hauptgründen dafür zählt – z.B. bei Bienenstockwaagen – der hohe Kaufpreis. Bei digitalen Stockkarten (für die Dokumentation des imkerlichen Handelns) ist die geringe Handhabbarkeit am Bienenstand ein Grund, sie nicht einzusetzen. KI-Lösungen z.B. für Varroa-Erkennung funktionieren nicht.
Als entscheidende Kriterien für die Anschaffung und Nutzung von digitalen Werkzeugen werden von den Imkern ein geringer Preis, eine einfache Handhabung und die Robustheit genannt.
Für Startups kann das gesteigerte Interesse an digitalen Methoden zu neuen Geschäftsideen führen. Mögliche Produktvarianten wie modulare Baukästen oder Einsteigersets für junge Imker werden in der Arbeit vorgeschlagen und weitere Maßnahmen zur Vorbereitung einer Produkteinführung vorgestellt.

Wissenschaftliche und ökonomische Verwertung der Arbeit von Frau Schmitz:

Im laufenden Forschungsprojekt „Biene40“ sind bis Februar 2024 insgesamt zwölf Arbeitsberichte geplant. Aus der Arbeit von Frau Schmitz wollen wir allein drei Arbeitsberichte ableiten. Frau Schmitz trägt damit zum Gelingen eines Forschungsprojektes der Hochschule Niederrhein bei. Das Projekt „Biene40“ setzt im Schwerpunkt auf eine preisgünstige, KI-gestützte Überwachung von Bienenstöcken mit Temperatursensoren – ein von Frau Schmitz identifizierter Schwerpunkt des Interesses an digitaler Unterstützung für die Bienenhaltung. Die Chancen für die Mönchengladbacher und den Willicher Wirtschaftspartner werden darin bestehen, über innovative Geschäftsmodelle preisgünstige Sensorik für Bienenhalter anbieten zu können.
Das beantragte Projekt „AI4Bee“ will eine innovative digitale Stockwaage entwickeln, mit deren Hilfe insbesondere seltene Ereignisse im Bienenstock (Schwarmakt) vorhergesagt werden können. Die Arbeit von Frau Schmitz hat zu unserer Argumentation in der Antragstellung beigetragen. Als ökonomische Konsequenz wird sich die Wettbewerbssituation des Aachener Wirtschaftspartners verbessern, der die KI-Lösung und eine Plattform für die Wägelösung zukünftig anbieten möchte.
Die Forschungsprojekte eröffnen auch Möglichkeiten für weitere innovative Ideen von StartUps – die Arbeit von Frau Schmitz zeigt einige davon auf.

Mit freundlichem Gruß

(Prof. Dr. Claus Brell)

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Bisherige Senatspreise: 2

Vorgeschlagen: gesamt 4

Hier gehts zum Senatspreis 2021 Digitalisierung der Bienenhaltung

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Übersicht der Pressemeldungen

 

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