Konzept für die Kontrolle von Mini Plus Bienenvölkchen

Titelbild Kontrolle Durchsicht eines Bienenstocks. Zusehen ist ein Mini Plus Bruträhmchen

Im Frühjahr benötigen Honigbienen häufiger Zuwendung – Schwarmkontrolle, Futterkontrolle und ggf. Bewirtschaftung des Honigs sowie Ablegerbildung erfordern die Aufmerksamkeit des Imkers. Damit die Veränderungen in den Völkern nachvollziehbar bleiben, sollten die Durchsichten einer festgelegten Choreografie folgen. Mein Konzept für die Kontrolle von Mini Plus Bienenvölkchen stelle ich im Folgenden vor. Ein Konzept für die Kontrolle gehört zur imkerlichen Betriebsweise.
Das Titelbild zeigt ein Mini Plus Bruträhmchen bei einer Durchsicht.

Zur Übersicht aller Mini Plus Beiträge: Imkern in Mini Plus – Übersicht der Beiträge von Claus Brell

16.06.2024

Das Konzept

Mein Konzept für die Kontrolle von Mini Plus Bienenvölkchen teilt sich in sechs Schritte je Volk (Flugloch, Varroaschieber, Aufsicht, Durchsicht, Intervention, ToDos)  und einen Schritt je Standort auf, die wiederum in einzelne Teilschritte untergliedert sind. Die Beobachtungen halte ich in einem Notizheft (Abb. 1) fest. Zusätzlich trage ich die Durchsicht in ein vorbereitetes Tabellenblatt (Abb. 2)  ein – Durchsichten an einem Stand an einem Tag bekommen eine Zeile. Somit erhalte ich schnell eine Übersicht, benötige ich Details, so sind die in den – fast formlosen – Notizen nachzulesen.

Die einzelnen Schritte

 0 Metainformationen zum Standort festhalten

Notiz des Standortnamens, des Datums, der Uhrzeit und des Wetters (Niederschlag, Wind, gefühlte Temperatur)

Danach werden i.d.R. die folgenden Schritte an jedem Volk durchgeführt und als Notiz festgehalten. Nicht alle Schritte werden bei allen Kontrollen durchgeführt. Die Schritte orientieren sich an Fragen, die während der Durchsicht beantwortet werden.

 1 Beobachtung des Fluglochs

 a Gibt es Flugbetrieb?

 b Wirkt der Flugbetrieb zielgerichtet?

 c Sind junge Bienen zu sehen?

 d Tragen die Bienen Pollen ein?

 e Zeigen die Bienen ein Hygienverhalten (Putzen oder Abnagen des Fluglochkeils) oder fächeln sie?

 2 Beschau des Varroaschiebers

Bis auf wenige besondere Situationen lasse ich den Varroaschieber im Boden. So kann ich immer den Milbenfall etc. kontrollieren.

 a Gibt es Varroamilben? Wenn ja, wie viele?

 b Sind Ameisen oder andere Tierchen auf dem Varroaschieber?

 c Sind Flügel, Beine oder andere Bienenkörperteile zu sehen?

 d An welcher Stelle des Schreibers ist braunes Wachs?

 e Gibt es durchsichtige neue Wachsschüppchen?

 f Befindet sich abgestreifter Pollen auf dem Schieber?

 3 Aufsicht

Eine Sicht von oben auf das geöffnete Volk, bei abgehobenem Deckel, aber aufgelegter Folie

 a Wieviel Wabengassen sind besetzt?

 b Gibt es Kondenströpfchen an der Folie?

 c Wie warm ist es auf der Folie (Hand-Test)?

 d Ist die Futtertasche leer (wenn eingebaut)?

 e Ist der Wabenausbau erkennbar?

 f Bebauen die Bienen den Oberträger?

 4 Durchsicht

Die Zargen werden von oben nach untern durchgesehen. Meist ziehe ich dabei alle Rähmchen.

 a Fliegen die Bienen auf oder sind unruhig?

 b Laufen (viele) Drohnen auf den Waben herum?

 c Ist die Königin gefunden?

 d Gibt es eingetragenen Nektar? Wenn ja, wie viel (etwa)

 e Ist über einer Brutfläche der Futterkranz geschlossen?

 f Gibt es Stifte?

 g Gibt es winzige Larven?

 h Gibt es Rundlarven?

 i Gibt es verdeckelte Arbeiterinnenbrut?

 j Gibt es Drohnenbrut? Wenn ja, ungewöhnlich viel?

 k Wie stark ist der Verbau am Unterträger?

 l Gibt es ausgedehnte Wabenflächen mit Pollen?

 m Gibt es Spielnäpfchen oder gar Weiselzellen?

 n Wenn es Weiselzellen gibt, sind sie am Wabenrand oder in der Wabenmitte?

 5 Intervention

Interventionen können geplant sein oder sich spontan am Ergebnis der Durchsicht orientieren. Ich bevorzuge geplante Interventionen. Interventionen können sein (nicht abschließende Auswahl)

 a Futtergabe

 b Entfernen sehr dunkler Waben

 c Gabe von Mittelwänden oder leeren Rähmchen

 d Versetzen des Thermoschiedes

 e Erzeugen eines neuen Brutablegers

 f Drohnenschnitt, Zellen brechen

 g Entfernen von Verbau

 h Vergrößern oder verkleinern des Fluglochs

6. ToDos festhalten

Je nach Ergebnis der Kontrolle können sich Erfordernisse für die kommende Kontrolle ergeben, Das wird in den Notizen ebenfalls vermerkt. Aus den ToDos ergeben sich i.d.R. die geplanten Interventionen bei der nächsten Kontrolle.

Bildtafeln

Notizen zur Kontrolle von Bienenstöcken in einem DIN A5 Heftchen

Abb. 1: Notizen im Notizheft. Ich bevorzuge das Format DIN A 5. Die Notizen erfolgen direkt am Stand, oft mit Handschuhen und manchmal auch bei regnerischem Wetter. Entsprechend ramponiert sieht das Notizheftchen aus. Es ist interessant, die Heftchen vergangener Jahre durchzusehen, da sich zeigt, wie sich die Betriebsweise und das, was für erwähnenswert gehalten wurde, entwickelt. 

Notizen zur Kontrolle von Bienenstöcken auf einer Übersichtsliste

Abb. 2: Einragung der Metainformationen in ein vorbereitetes Tabellenblatt. Bevor ich zu einem Bienenstand fahre, schaue ich in die Übersicht, ob noch etwas zu tun war (ToDo) und danach in das Notizheftchen, was ich tun wollte. Danach wird das Werkzeug und die Materialien zusammengestellt. Diese Methode mindert die Anzahl der Situationen, in der „mal wieder“ etwas am Stand fehlt.

Bienen mit verdeckter Brut und ein paar Rundlarven

Abb. 3: Bienen auf einer Brutwabe, fast nur verdeckelte Brut. Die Königin in diesem Volk ist sehr ordentlich. Meist gibt es eine Wabe mit Stiften, eine Wabe mit offener Brut und zwei Waben mit verdeckter Brut. Das Brutnest ist sehr kompakt – auch ein Ergebnis des engen Schiedens mit einem selbstgebauten Mini Plus Thermoschied.

Das Bild zeigt eine Bienenkönigin aus dem Jahr 2024

Abb. 4: Eine gezeichnete (nicht schön, aber überhaupt) Königin aus dem Schlupfjahr 2024

Das Bild zeigt eine Einen Königin aus dem Jahr 2023

Abb. 5: Eine Königin mit aufgeklebtem Opalithplättchen aus dem Jahr 2023. Diese Königin legt in Mini Plus sehr schöne Brutnester an

Das Bild zeigt Bienen und Bienen-Eier auf einer frischen Brutwabe.

Abb. 6: Bienen und Stifte (Bienen-Eier)

Aufnahme eines varroaschiebers. Zu sehen ist eine Ameise, braunes Wachs, durchsichtiges neues Wachs und Pollen sowie eine Ameise

Abb. 7: Detailaufnahme des Varroaschiebers. Zusehen ist eine Ameise, frische, transparente Wachsschüppchen und geschreddertes Wachs von Brutzellen.

Brutwabe in Mini Plus Ableger. Zu sehen sind schöne nachschaffungszellen - die Bienen machen sich eine neue Königin.

Abb. 8: Ausnahmsweise mal gewollt: Nachschaffungszellen auf einer noch neuen Brutwabe aus einem zwei-Waben-Brutableger in Mini Plus

Quellen und Links auf weitere Mini Plus Beiträge

Imkern in Mini Plus nach Kaufmann und Friedrich

Imkern in Mini Plus nach Schwarz

Erlebnisorientiert Imkern im Mini Plus Beutensystem

Mini Plus Bienenvölker in der Trachtlücke füttern

Honigbienen Bestandsbuch Varroabehandlung

 

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