Die Tropilaelaps Milbe gehört zu den anzeigepflichtigen Bienenerkrankungen. Im Gegensatz dazu ist Varroa destructor nicht meldepflichtig. Bislang stellt Trolpilaelaps in unseren Breiten kein Problem dar, ihre Verbreitung wird allerdings beobachtet. Das Titelbild zeigt verschiedene Bienen-Parasiten, also Schädlinge: 1 Varroa 2 Tropilaelaps 3 Tracheenmilbe und ehre harmlose Kommensalen: 4 Pollenmilbe 5 Bienenlaus.
Dieser Beitrag ist der begleitende Text zum Vortrag „Tropilaelaps vs. Varroa – Untergang der Imkerei oder harmloser Aufreger?“
Hier gibt es die Vortragsfolien als PDF: Tropilaelaps vs Varroa CB 260508
Die Aufzeichnung des Vortrages auf YouTube: https://youtu.be/lJIB2CU2eas
Stand 09.05.2026
Die Tropilaelapps-Milbe erkennen
Die Tropilaelaps-Milbe sieht der Varroa-Milbe ähnlich, die Tropilaelaps ist jedoch deutlich schmaler (vgl. Abb. 1 und 3). Tropilaelaps erreicht etwa ein Drittel der Größe einer Varroa
Tropilaelaps hat einen länglichen Körper mit acht Beinen, von denen das vordere Beinpaar wie Fühler aussehen.
Tropilaelaps hat einen Körper in Brauntönen.
Abb.1: Tropilaelaps-Milbe im Vergleich zu anderen (möglichen) Mitbewohnern im Bienenstock. Es bedeuten:
(1) Tropilaelaps
(2) Varroa
(3) Bienenlaus, harmlos, ausgestorben
(4) Pollenmilbe, harmlos, häufig
Abb.2: Varroa-Milben im Gegenlicht, zum Vergleich ein Streichholzkopf
Abb.3: Varroa-Milbe (links) und Tropilaelaps-Milbe (rechts) von unten (nach Pohl 2019)
Abb.4: Harmlose Pollenmilben auf dem Boden-Schieber. Zu sehen sind auch Wacshschüppchen und Larventeile, die auf ein VSH-Verhalten der Biinen hindeuten. Noch offen ist, ob ein Resistenzverhalten auch gegen die Tropilaelaps Milbe zu beobachten sein wird.
Vorkommen der Tropliaelaps-Milbe
Die Tropilaelaps Milbe kommt aus Asien. Sie ist kleiner als die Varroa-Milbe und hat in unseren Breitengraden auch erhebliche Probleme, sich zu vermehren. Im Gegensatz zu Varroa kann sie nicht lange auf erwachsenen Bienen überleben, da ihre Mundwerkzeuge die Biene nicht anbohren können. Mit den normalen Varroabehandlunsgstategien, insbesondere mit organischen Säuren, sind auch die Lebensbedingungen für die Tropilaelaps-Milbe eher schlecht.
Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass sich das im Rahmen der Klimaveränderung auch ändert. An der Schwarzmeerküste und in der Türkei soll sie gesichtet worden sein, der Stamm Tropilaelaps mercedesae ist nun mittels DNA-Test in Georgien nachgewiesen.
Abb. 5: Tropilaelaps-Funde auf Europakarte, Stand Juli 2025
Tropilaelaps ist anzeigepflichtig
Anzeigepflichtig sind in Deutschland die Bienenseuchen Amerikanische Faulbrut (AFB), kleiner Beutenkäfer und Tropilaelaps-Milbe. Bislang von Relevanz ist allerdings lediglich die Amerikanische Faulbrut, und auch diese tritt durch eine durchgängig bessere Hygiene am Bienenstand immer seltener auf.
Vermehrung von Tropilaelaps
Die phoretische Phase von T. auf adulten Bienen ist kürzer ( 1–2 Tage statt 5–20 Tage), da Tropilaelaps die Haut von erwachsenen Bienen nicht durchdringt.
Trächtige weibliche Milben sterben innerhalb von 2 Tagen, wenn sie ihre Eier nicht legen können (Woyke, 1987).
Das Paarungsverhalten wurde von Woyke (1994) in Reagenzgläsern beobachtet.
Das Tropilaelaps-Weibchen (bis zu einem Dutzend können in einer einzigen Zelle vorkommen) legt ein bis vier Eier auf eine Bienenlarve, kurz vor der Verdeckelung. Die Drohnenbrut wird von Tropilaelaps bevorzugt und kann zu fast 100 % parasitiert werden (Burgett et al., 1983).
Die Nachkommen der Milbe (ein Männchen, mehrere Weibchen, darunter auch die Muttermilbe verlassen die Zelle zusammen mit der erwachsenen Biene und suchen nach neuen Wirten (de Guzman et al., 2017).
Tropilaelaps vs. Varroa – ein Vergleich
Tropilaelaps clareae vermehren sich schneller als Varroa destructor.
Wenn sowohl Tropilaelaps als auch Varroa dasselbe Volk befallen, kann Tropilaelaps die Varroamilbe verdrängen (Burgett et al., 1983; Ritter & Schneider-Ritter, 1988).
Kommen beide Milbenarten in derselben Zelle vor, ist die Fortpflanzung beider Milben rückgängig (Rath et al., 1995).
Harmlose Kommensalen – Pollenmilben
Nicht verunsichern lassen sollt man sich von Milbengewusel auf dem Varroa-Schieber. Was der Tropilaelaps-Milbe zunächst ähnlich sieht, sind nur harmlose Pollen-Milben, die sich von den abgestreiften Pollenhöschen ernähren. Sie sind winzig und huschen mit vergleichbar hoher Geschwindigkeit auf dem eingelegten Bodenschieber herum. Wer sein Bienen mit Ameisensäure gegen Varroa behandelt, wird vermutlich keine Pollenmilben zu Gesicht bekommen.
Ist die Tropilaelaps-Milbe eine akute Gefahr? Eine Einschätzung.
„Ein Überleben der (Tropilaelaps-)Milbe ist in der brutlosen Winterpause nicht zu erwarten“ (Pohl 2019). Die Sichtung der Tropilaelaps-Milbe in Europa ist einige tausend Kilometer von Deutschland entfernt. Eine rasante Ausbreitung in Richtung Deutschland wurde in den vergangenen zwei Jahren nicht beobachtet. Einige Varroa-Behandlungsmittel wirken auch gut gegen Tropilaelaps (Ameisensäure).
Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass Imker mit dem üblichen Dreiklang
a) Ruhe bewahren und aufmerksam bleiben,
b) ein vernünftiges Varroakonzept und
c) gute Praxis und Hygiene am Bienenstand
gut gegen die Tropilaelaps-Milbe gerüstet sind.
Nach meiner persönlichen Einschätzung stellt die Varroa-Milbe zur Zeit keine akute Gefahr für die Imkerei in Deutschland dar.
Anhang
Quellen und Links
Mehr Tiere im Bienenstock: https://cbrell.de/blog/bienenstockleben-artenvielfalt-in-halben-millimetern/
Siehe auch die Aufstellung für die Ausbildung zum Bienensachverständigen: Bienenkrankheiten nach Kategorien
Tropilaelaps beim Friedrich-Löffler Institut https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/bienenkrankheiten/bilder-tropilaelaps-milbe
GEOGRAPHICAL SPREAD OF THE EXOTIC MITE TROPILAELAPS SPP.: PRESENCE SUSPECTED IN BELARUS AND CRIMEA geographical-spread-exotic-mite-tropilaelaps-spp-presence-suspected-belarus-and-0
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Burgett, M., Akratanakul, P., & Morse, R. A. (1983). Tropilaelaps Clareae: a Parasite of Honeybees in South-East Asia. Bee World, 64(1), 25–28.
de Guzman, Lilia (2017), Williams GR, Khongphinitbunjong K, Chantawannakul P. Ecology, Life History, and Management of Tropilaelaps Mites. J Econ Entomol. 2017 Apr 1;110(2):319-332. doi: 10.1093/jee/tow304. PMID: 28334185.
Pohl, Friedrich (2019) Handbuch Bienenkrankheiten. Stuttgart S.116 ff.
RATH W., BOECKING O. & DRESCHER W. (1995). The phenomena of simultaneous infestation of Apis meliferea in Asia with the parasitic mites Varroa jacobsoni OUD, and Tropilaelaps clareae Delfinado and Barker. Am. Bee J., 135, 125–127.
RITTER W. & SCHNEIDER-RITTER U. (1988). Differences in biology and means of controlling Varroa jacobsoni and Tropilaelaps clareae, two novel parasitic mites of Apis mellifera. In: Africanized Honey Bees and Bee Mites, Needham G.R., Page R.E. Jr., Delfinado-Baker M.& Bowman C.E., eds. Ellis Horwood, Chichester, UK, 387–395.
Worm, Marek (2024) Tropilaelaps erstmals in Georgien gefunden. In: bienen&natur 12/24, S. 6
Woyke, J., 1987. Comparative population dynamics of Tropilaelaps clareae and Varroa jacobsoni mites in honeybees. J. Apic. Res. 26(3): 196–202.
Woyke, J. 1994 Mating behavior of the parasitic honeybee mite Tropilaelaps clareae . Exp Appl Acarol 18, 723–733 (1994). https://doi.org/10.1007/BF00051539
Glossar
Es folgt ein Auszug aus dem Imker Glossar A….
Milben
Milben (Acari) sind keine Insekten, sondern bilden eine Unterklasse der Spinnentiere (Arachnida). Mit weltweit über 50.000 beschriebenen Arten sind sie zu vielfältigte und erfolgreiche Lebewesen.
Biologische Merkmale und Abgrenzung
Für den Imker ist die Unterscheidung zwischen Insekt (Biene) und Spinnentier (Milbe) grundlegend. Während die Biene einen dreigeteilten Körper und sechs Beine besitzt, weisen adulte Milben charakteristische Merkmale auf:
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Körperbau: Im Gegensatz zu Insekten ist der Körper der Milbe nicht deutlich in Kopf, Brust und Hinterleib segmentiert. Stattdessen sind Vorderkörper (Gnathosoma) und Hinterkörper (Idiosoma) meist zu einer Einheit verschmolzen.
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Extremitäten: Erwachsene Milben besitzen acht Beine. Ein wichtiges Detail für die Diagnose: Larvenstadien schlüpfen oft mit nur sechs Beinen und entwickeln das vierte Paar erst nach der ersten Häutung.
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Größe: Die meisten Milben sind klein, was ihre Entdeckung in der Beute oft erst ermöglicht, wenn der Befall bereits kritische Ausmaße angenommen hat.
| Merkmal | Insekten (z. B. Biene) | Milben (Acari) |
|---|---|---|
| Klasse | Insecta | Arachnida |
| Beinpaare | 3 Paare (6 Beine) | 4 Paare (8 Beine) |
| Flügel | Meist vorhanden | Nie vorhanden |
| Körpergliederung | Kopf, Thorax, Abdomen | Gnathosoma, Idiosoma |
Die Milbe als Parasit
In der Evolution haben Milben nahezu jeden Lebensraum besiedelt. Innerhalb der Imkerpraxis begegnen uns vor allem die parasitär lebenden Arten. Dabei unterscheiden wir grob zwischen zwei Lebensweisen:
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Ektoparasiten: Sie leben auf der Außenhülle ihres Wirts (z. B. Varroa destructor oder Tropilaelaps).
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Endoparasiten: Sie dringen in das Innere des Wirts vor (z. B. die Tracheenmilbe Acarapis woodi).
Warum Milben für soziale Insekten gefährlich sein können
Milben haben sich an die Lebensweise von Honigbienen angepasst. Die hohe Individuendichte im Volk, die konstante Temperatur und die Verfügbarkeit von Brut als Nahrungsquelle bieten gute Bedingungen für eine schnelle Vermehrung der Milben.
Dank
Ich danke den Imkerkolleginnen und -kollegen in den Vereinen Imkerverein Viersen Stadt (80 Mitglieder) und Imkerverein Krefeld (130 Mitglieder) für die stete Diskussionsbereitschaft und konstruktive Kritik.
Autor und Lizenz
Prof. Dr. Claus Brell
Bienensachverständiger NRW
Wespen- und Hornissenberater
Obmann für neue imkerliche Betriebsweisen im Kreisverband Viersen
aktuelle Projekte: Anti-Velutina-Flugloch-Einengung, Biene40,Steel4Bees
CC BY 
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