Welche Anzahl Bienenvölker ist optimal?

Das Bild zeigt einen Bienenstand am Niederrhein mit Mini Plus Beuten in Holz und Styropor.

Die Frage, welche Anzahl Bienenvölker optimal ist, lässt sich pauschal nicht einfach beantworten. Vielmehr hängt die Anzahl von den äußeren Rahmenbedingungen und den eigenen Prämissen ab. Der folgende Beitrag „Welche Anzahl Bienenvölker ist optimal?“ soll ein wenig Orientierungshilfe geben.

Das Titelbild zeigt einen Bienenstand am Niederrhein – mit vermutlich zuviel Völkchen. Ein paar der Mini-Plus-Beuten sind „Parkvölkchen“ für blaue Königinnen aus 2025 – die Völker werden aufgelöst, sobald die weißen neuen Königinnen aus 2026 in Eilage sind. Die größere Zander-Kiste links im Bild dient als eine bienendichte Werkzeugkiste, so dass der Smoker nicht im Auto transportiert werden muss.

Ersterstellung 06.07.2026

Vorbemerkung

Zuweilen treffe ich Menschen, die mit dem Gedanken spielen, sich „auch mal so ein Bienenvolk hinzustellen“ – verbunden mit dem romantischen Hintergedanken, eine schöne Warré-Beute oder einen schicken Schiffer-Tree in den Garten zu stellen und das Bienenvolk – ganz natürlich – sich selbst zu überlassen und den Bienen beim Summen zuzuschauen. Bienen brauchen im urbanen Raum allerdings Fürsorge, ohne werden sie – auch ganz natürlich – elendiglich eingehen. Oder schwärmen und dann eingehen. Bienen halten ist Tierhaltung, das ist ein Ausbildungsberuf. Zum Glück kann man das schnell lernen, aber dies sollte man tun. WIE man an sein erstes / seine ersten Bienen kommt, wird in einem eigenen Beitrag beschrieben.

Vor- und Nachteile verschiedener Anzahl Bienenvölker

Ein Volk

Oft beginnt eine Imkerkarriere mit einem einzigen Bienenvolk – man bekommt ein Volk geschenkt, oder, wie es mir geschehen ist, im Rahmen eines Forschungsvorhabens steht es auf einmal im eigenen Garten.

Vorteile eines Volkes

Ein Volk im eigenen Garten fällt kaum auf, Die Bienen, obgleich im Frühsommer mit bis zu 60.000 Tieren zahlreich, verteilen sich im Futterradius von bis zu 5 km. Wenn das Volk nicht zu exponiert steht, merken die Nachbarn i.d.R. gar nichts davon.

Man benötigt zu Beginn nicht zu viel Material.

Der Zeitaufwand für die Pflege des Volkes ist hier vergleichsweise gering. Man muss eben nur ein Volk durchsehen und nicht n.

Nachteile eines Volkes

Die imkerliche Grundausstattung (von Schleier bis Stockmeißel) braucht man schon bei einem Volk. So gesehen ist ein Volk denkbar ineffizient.

Die Aufstellung ist sehr einfach, Wen die Ästhetik nicht stört, kann sein Volk auf eine leere Getränkekiste stellen. (Anekdote: an einem Stand habe ich tatsächlich die Ableger auf – noch vollen – Wasserkästen stehen. Das ist stabil und war preiswerter als alle kommerziellen Bienen-Böcke)

Für Anfänger birgt ein Volk Risiken. Da Vergleichsmaßstäbe fehlen, werden den Bienen unzuträgliche Veränderungen oder ein Schaden der Königin ggf. nicht erkannt. Ein wichtiger Lernprozess ist, dass sich Bienen nie wie im Lehrbuch verhalten und Bienenvölker sehr unterschiedlich in ihrem Verhalten sind. Das zu erfahren dauert bei einem Bienenvolk sehr lange.

Zwei Völker

„Man braucht als Anfänger zwei Bienenvölker, eins zum Arbeiten und eins zum Totgucken“ ist eine Imkerweisheit, die ältere Imkerkollegen zuweilen von sich geben. Jedes Hineinschauen in den Bienenstock ist eine Belastung für die Bienen und die Gefahr, dass der Königin etwas passiert, ist nicht Null. Mit zwei Völkern kann ein Anfänger grundsätzlich alles erfahren, was Bienenhaltung so an Überraschungen mit sich bringt.

Vorteile von zwei Völkern

Mit zwei Völkern gibt es eine „Backup-Funktion“, wenn mit einem Bienenvolk ein Missgeschick passiert.

Zwei Bienenvölker ermöglichen bereits die Erkenntnis, dass Bienenvölker individuell unterschiedlich sind, selbst wenn sie genau gleich behandelt werden.

Ist der Honigertrag von Interesse, so können zwei Völker – theoretisch – doppelt so viel Honig liefern wie eins. Den Eigenbedarf an Honig zu decken ist mit zwei Völkern schon gut möglich.

Nachteile von zwei Völkern

Eine Imkerei mit zwei Völkern ist immer noch weniger Fehler-verzeihend als mit mehr Völkern.

Mit dem zweiten Volk ist die Aufstellung schon spannender. Stehen sie nebeneinander auf einem Bock, so kann sich beim Arbeiten das zweite Volk über die Erschütterungen beim Arbeiten am ersten Volk aufregen.

Es kann nun Räuberei auftreten, wenn z.B. beim Füttern nicht gänzlich kleckerfrei gearbeitet wird.

Drei Völker

Mit drei Völkern kann man so arbeiten „wie die großen“. Drei Völkern gelten in den meisten Kommunen noch als „ortsüblich“ und können im eigenen Garten gehalten werden.

Vorteile von drei Völkern

Mit drei Völkern lernen auch Anfänger sehr schnell, was Bienen grundsätzlich für Bedürfnisse haben.

Bei drei Bienenvölkern ist man schon fast gegen den Totalausfall – also alle Völker sterben -gefeit, vorausgesetzt man geht fachgerecht mit den Bienen um, Ein Volk wird es immer zulassen, dass zur Not ein Ableger erzeugt wird.

Mit drei Völkern lassen sich schon Erkenntnisse über jährlich wechselnde Betriebsweisen gewinnen. Bei drei Völkern, die beobachtet werden, gibts immer eine Mehrheit.

Nachteile von drei Völkern

Berufsimker arbeiten oft in Reihenaufstellung auf langen Böcken. Für Hobbyimker sollten nicht mehr als zwei Bienenvölker auf einem Bock stehen. Mit dem dritten Volk wird also ein zweiter Bock mit entsprechendem Stellplatz am Stand benötigt.

Bei drei Völkern erfordern Material und Durchsichten schon mehr Planung

Vier bis fünf Völker

Mit vier bis fünf Völkern hat man schon so etwas wie eine Imkerei. Der geerntete Honig übersteigt den Eigenbedarf, und man sollte über die Bewirtschaftung des Honigs nachdenken. Ab fünf Völkern steigt die Wahrscheinlichkeit, im Imkerverein auch ernst genommen zu werden.

Vorteile von vier bis fünf Völkern

Mit vier bis fünf Völkern kann es reizvoll sein, in den Honigverkauf einzutreten

Mit vier bis fünf Völkern an einem Stand lässt sich rationell und nach einer Betriebsweise arbeiten.

Nachteile von vier bis fünf Völkern

Vier bis fünf Völker brauchen Platz zu Arbeiten und auch Futter, das gekauft, transportiert und gelagert werden muss. Das bedingt auch eine gewisse körperliche Belastbarkeit..

Spätestens wenn der Nachbar einen Pool hat, können die Bienen nun zum Konfliktfall werden. Rein rechnerisch sterben jeden Tag mit Juni mehr als 7500 Bienen an Altersschwäche. Tun sie das im Nachbar-Pool… Es sollte vorher geprüft werden, ob vier bis fünf Bienenvölker noch ortsüblich sind. Der lokale Imkerverein hilft hier weiter.

Sechs bis sieben Völker

Mit sechs bis sieben Völkern bewegt man sich im Mittelfeld der Völkeranzahl in Deutschland. Die Zahlen hat der Deutsche Imkerbund erhoben und dabei die 140.000 Hobbyimker und die 500 Berufsimker mit einbezogen. Der Trend wird eher zu weniger Völkern je Hobbyimker gehen.

Vorteile von sechs bis sieben Völkern

Mit sechs bis sieben Völkern kann man schon Betriebsweisen gegeneinander testen und ein Bisschen (nichtparametrische) Statistik betreiben. Dr. Gerhard Liebig, leider vor kurzem verstorben, hat einige seiner Vergleich mit einer Zellengröße von drei Bienenvölkern durchexerziert.

Mit sechs bis sieben Völkern ist ein spürbarer Honigertrag zur erwirtschaften.

Nachteile von sechs bis sieben Völkern

Sechs bis sieben Bienenvölker werden die Ortsüblichkeit für die Haltung im eigenen Garten sprengen. Man muss ich um einen zweiten Stand bemühen. Zwei Stände bringen sprungfixe Aufwände hinzu, z.B. Fahrtzeiten.

Bis zu 20 Völker

Mit 20 Völkern kann die Imkerei schon zum Nebenerwerb werden.

Vorteile bis zu 20 Völkern

Mit 20 Völkern kann man schon wie ein Berufsimker arbeiten.

Nachteile von bis zu 20 Völkern

20 Bienenvölker werden sowohl die Freizeitplanung – mit 20 Völkern hat keine mehr – als auch die Urlaubsplanung dominieren.

Ab 9 Völkern (die man bei der Tierseuchenkasse gemeldet hat) steigt die Wahrscheinlichkeit, dass unangemeldet die Lebensmittelüberwachung vor der Tür steht und den Schleuderraum sowie das Bestandsbuch sehen will.

Persönliche Ziele und Prämissen

Maßgeblich für die Anzahl der Bienenvölker sollte sein, was man mit der Bienenhaltung erreichen will. Dazu ist es sinnvoll, Ziele festzulegen und diese auch über einen gewissen Zeitraum konsequent zu verfolgen. Die Ziele sollten sich aus den Prämissen ableiten lassen, realistisch gewählt sein und mit den äußeren Rahmenbedingungen zusammenpassen.
Solche Prämissen könnten – alternativ oder ergänzend – sein:

  • Ich möchte Natur erleben und die Entwicklung von Bienen beobachten.
  • Ich möchte, dass Kinder oder Enkel Bienenhaltung als Option kenn lernen.
  • Ich habe eine Obstwiese und möchte für eine bessere Bestäubung sorgen.
  • Ich finde es toll ein Imker zu sein und möchte auf Märkten Honig verkaufen.
  • Ich möchte guten Honig nur für den Eigenbedarf selber machen.
  • Mein Job ist öde und ich möchte mir ein zweites nebenberufliches Standbein schaffen.
  • Ich brauche einen Anwendungsfall für meine digitalen Sensoren.
  • Gerne möchte ich im Imkerverein mit gleichgesinnten diskutieren.

Die Ziele sollten sich nun an den Prämissen orientieren. Dabei ist ein Ziel konkreter und beschreibt einen (erwünschten) Zustand in der Zukunft, z.B.:

  • Ende des Jahres möchte ich so viele Bienen auf meiner Obstwiese haben, wie es die Bestäubung erfordert.
  • Auf dem nächsten Weihnachtsmarkt im Dorf will ich einen Stand anmieten und 600 Gläser Premium-Honig verkaufen.
  • Der Honigertrag soll in zwei Jahren so hoch sein, dass ich damit die Haus-Nebenkosten und die beiden Autos bezahlen kann
  • Kommenden Sommer will ich in meinem neu angelegten garten mit eigenen Bienen sitzen
  • …..

 

Äußere Rahmenbedingungen

Äußere Rahmenbedingungen können für das Vorhaben, Bienen zu halten, förderlich oder hinderlich sein. Auch auf die Anzahl der Bienenvölker hat das einen Einfluss. Solche Rahmenbedingungen wären beispielsweise – alternativ oder ergänzend:

  • Ich habe einen großen / kleinen Garten
  • Ich kenne Landwirte, auf deren Felder ich Bienen stellen könnte
  • Mein Arbeitskollege ist schon in einem Imkerverein
  • Mein(e) Lebenspartner(in) findet Bienen auch gut.
  • Ich habe wenig / viel Zeit und einen anstrengenden / lauen Job.
  • Ich habe ein großes Auto mit Hängerkupplung – oder eben keins.
  • Meine Nachbarn finden Bienen gut – oder eben nicht
  • Ich habe eine Bienenallergie und zudem Angst vor Insekten
  • Ich gehe bald in den Ruhestand und mir fehlt noch eine sinnvolle Beschäftigung

Die Szenario-Methode

Mit der Szenario-Methode werden nun in einem oder zwei möglichst realistischen Szenarien die Rahmenbedingungen mit den Zielen und Prämissen zusammengebracht. Daraus leitet sich dann die für den Einzelfall optimale Anzahl von Bienenvölkern ab.

Ein Beispielszenario:

  • Ich kenne Landwirte, auf deren Felder ich Bienen stellen könnte
  • Meine Lebenspartnerin findet Bienen auch gut.
  • Ich habe wenig Zeit und einen anstrengenden Job.
  • Ich möchte guten Honig nur für den Eigenbedarf selber machen.
  • Ich möchte, dass Kinder oder Enkel Bienenhaltung als Option kenn lernen.

Daraus leitet sich ab, dass mit zwei Völkern, die mit der Partnerin zusammen bewirtschaftet werden, vermutlich die Ziele und Rahmenbedingungen abgedeckt werden. Beide Völker genügen für den Eigenbedarf, sie stehen an einer Stelle beim befreundeten Landwirt und minimieren die Fahrtkosten. Partnerin und Kinder können immer mit auf den Stand.

Conclusio

Bis auf die ertragsorientierten Ansätze werden oft zwei oder drei Bienenvölker die geeignet Anzahl sein. Es ist auch keine schlechte Idee, zunächst mit wenigen Völkern zu starten und später nachzujustieren sprich den Bestand zu erweitern. Dabei ist es – wenn man den Imker-Bogen einmal ´raus hat – einfacher, die Völkerzahl zu vergrößern als die Völkerzahl zu verkleinern.

Anhang

Quellen und Links

Dieser Beitrag ist Teil der Sammlung zum „Erlebnisorientiert Imkern in Mini Plus“.

Mehr Tiere im Bienenstock: https://cbrell.de/blog/bienenstockleben-artenvielfalt-in-halben-millimetern/

Imkerliche Betriebsweisen – was sind ihre Einflussfaktoren?

Bücher

Bielefeld, Kaspar (2005) Imkern Schritt für Schritt. KOSMOS, Stuttgart.

Bruder Adam (2019) Meine Betriebsweise – Imkern wie im Kloster Buckfast. KOSMOS, Stuttgart, 8.Auflage

Gerstung, Ferdinand (1926) Der Bien und seine Zucht.7. Auflage Verlag Pfenningsdorff

Liebig, Gerd (2020) Einfach Imkern.4.Auflage, Bochum

Pohl, Friedrich (2017) 1 x 1 des Imkers. KOSMOS, Stuttgart

Ritter, Wolfgang (2014) Bienen naturgemäß halten. ULMER, Stuttgart

van den Bongard, Johann (2019) Meine Betriebsweise mit der modifizierten 12er Dadantbeute. Buschhausen

Glossar

Betriebsweise (imkerliche)

Die Betriebsweise ist die Sammlung von Abläufen und Tätigkeiten, mit denen eine Imker seine Völker durch das Jahr führt. Betriebswirte würden von imkertlichen Prozessen sprechen. Die Betriebsweise hängt von der verwendeten Beute und der Biene ab. Betriebsweisen variieren je nach klimatischen Bedingungen.

Beute

Die künstliche Behausung, die Menschen für die Bienenhaltung bereitstellen, heißt Beute (da Menschen darin Honig erbeuten).

Bien

Ein Bienenvolk zeigt in seiner Gesamtheit Eigenschaften, die auch Säugetiere haben. Die Gesamtheit der Bienen in einem Bienenstock (Königin, Arbeiterinnen, Drohnen) heißt Bien, der Bien wird quasi als ein Lebewesen betrachtet, einen Einzelne Biene ist darin nur eine Komponenten wie z.B. ein Organ.

Bienenstock

Ein Bienenstock ist die Gesamtheit von Bienenvolk und Behausung, in der das Volk lebt.

Dank

Ich danke den Imkerkolleginnen und -kollegen in den Vereinen Imkerverein Viersen Stadt (80 Mitglieder) und Imkerverein Krefeld (130 Mitglieder) für die stete Diskussionsbereitschaft und konstruktive Kritik.

Autor und Lizenz

Prof. Dr. Claus Brell

Bienensachverständiger NRW

Wespen- und Hornissenberater

Obmann für neue imkerliche Betriebsweisen im Kreisverband Viersen

aktuelle Projekte: Anti-Velutina-Flugloch-Einengung,

abgeschlossene Projekte: Biene40,Steel4Bees

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