Warum den Deckel der Bienen-Beute weiß anstreichen?

Kisten, in denen Bienen wohnen – sogenannte Beuten – sind oft braun oder grün gestrichen, wenn sie einen Metalldeckel haben, ist der in der Regel verzinkt und matt metallfarben. Für Bienen ist es besser , den Deckel  der Beute reinweiß zu streichen, da dies den Wärmeeintrag in die Beute durch Sonnen-Strahlung mindert. Dieser Beitrag „…Deckel der Bienen-Beute weiß anstreichen…“ beleuchtet die Hintergründe und zeigt eine Alternative in Form eines Strahlungsschildes auf..

Das Titelbild beleuchtet die Physik des Wärmehaushalts im Bienenstock. Ein Teil der Sonnenstrahlung wird am Deckel in Wärme umgesetzt. Die Wärme kommt z.B. durch Wärmeleitung (Styropordeckel) oder Strahlung (Holz und Blechdeckel) in die Beute hinein. Im Sommer um und nach der Sommersonnenwende ist die Belastung der Bienen erheblich, den größten Anteil macht die Strahlungswärme aus. Mit einem einfachen Trick wird die Strahlungswärme aus der Bienen-Beute ausgesperrt und den Bienen geht es besser…

Ersterstellung 23.03.2025
UPDATE 20.06.2026 Bilder von Beuten mit weißen Deckel oder Strahlungsschild

Die Mini Plus Erklärbeute im youtube Video in 3 Minuten erklärt https://youtu.be/mnrL7p8Ow04

Bienen haben Hitzestress im Sommer

Die Sonne heizt die Beute auf – durch den Beutendeckel

Eigene Messungen zeigen, dass die Temperatur bei Sonneneinstrahlung in einer unbeschatteten Beute mit nicht-weiß gestrichenem Deckel sowohl mit als auch ohne Bienenbesatz ansteigt (Messelken et. al. 2024). Der Temperaturanstieg wird von den Bienen in der Beute aktiv durch ein Kühlverhalten begrenzt. Das aktive Kühlen beginnt mit ventilieren, bei stärkerem Temperaturanstieg holen Bienen Wasser und verdunsten das auf den Waben. Bienen, die aktiv kühlen, tragen keinen Nektar ein und können sich nicht um die Brut kümmern. Der Temperaturanstieg stellt somit eine Belastung für das Bienenvolk dar und bedeutet gegebenenfalls eine Ertragsminderung in der Imkerei. Bei zu hohen Temperaturen im Honigraum können durch die Erweichung des Wachses auch ganze Waben abreißen. Mit geringem Aufwand in Form einer hinterlüfteten Beschattung oder – wie hier beschrieben – eines weiß gesrichenen Deckels kann eine Minderung der Belastung und damit eine Verbesserung des Tierwohls bei Honigbienen erreicht werden.

Wissenschaftler haben herausgefunden …

Mit der Haltung in künstlichen Behausungen können Honigbienen bei starker Sonneneinstrahlung in Temperaturstress geraten (Seeley & Morse 1976). Bei zu hohen Temperaturen kommt es zu Brutschäden; auch die Stabilität des Wabenwerks ist gefährdet (Stabentheiner et. al. 2021). Ab 38°C nimmt zudem die Lebensfähigkeit der in der Spermathek  der begatteten Königin gespeicherten Spermien ab (McAffee et. al. 2020).

Steigen die Temperaturen im Bienenstock über 36°C, beginnen Bienen mit einem aktiven Kühlverhalten. Im ersten Schritt versammeln sich „Fächlerinnen“ am Einflugloch und versuchen, die warme Luft mit Flügelschlag aus dem Stock zu transportieren (Tautz 2016). Genügt das Ventilieren nicht, holen Sammlerinnen Wasser und verteilen es auf dem Wabenwerk Die Verdunstung des Wassers kühlt zusätzlich. Die Vibrationen der Flugmuskulatur und der Flügel beim Ventilieren erzeugt Luftschall im hörbaren Bereich mit einer Frequenz von etwa 190 Hz (Woods 1957).

Bereits Lindauer (1954) hat bereits auf den Wärmestress der Honigbienen hingewiesen.

Lösungsansatz – Beutendeckel weiß streichen

Im Sommer 2024 wurden im Rahmen des Projektes Biene40 Temperaturen unter verschiedenfarbig gestrichenen Beutendeckeln untersucht (Brell 2025a). Dabei zeigt sich, dass es bei allen – auch hell wirkenden – Farben bei Sonneneinstrahlung einen massiven Temperaturanstieg gibt. Eine Ausnahme bildet ein rein weißer Anstrich, der zu einer deutlichen Reduktion des solaren Wärmeeintrages führt (Abb. 1)

Im Sommer 2023 zeigten Beschattungsexperimente an Dadantbeuten (Projekt Biene40), dass auch verzinkte Blechdeckel keineswegs alle Sonnenstrahlen reflektieren, sondern bei Bestrahlung einen deutlichen Temperaturanstieg zeigen. Im Frühjahr und Sommer 2025 wird ein Langzeitexperiment durchgeführt (Abb. 2) , dass den Wärmeeintrag durch den Blechdeckel bei großen Beuten differenziert betrachtet und dem Wärmeeintrag der Seitenwände gegenüberstellt.

Aus den Ergebnissen der o.g. Untersuchungen wird empfohlen, Blechdeckel zumindest auf der waagerechten Fläche weiß zu beschichten. Die Art der Farbe hat auf die Wirkung keinen Einfluss – Mit Acrylfarbe, Außenwandfarbe und weißem Autolack wurden gleichermaßen gute Ergenbnisse erzielt.

Abb. 1: Ein Blechdeckel für das Mini Plus Beutensystem in Holz mit 12 Rähmchen je Zarge, oben weiß beschichtet.

Abb. 2: Ein Styropordeckel für das Mini Plus 6er System. Als weiße Farbe ist Fassadenfarbe oder Acrylfarbe geeignet.

Alternative zum weißen Anstrich – Strahlungsschild

Genauso gut wie eine weißer Anstrich wirkt ein Strahlungsschild. Das Strahlungsschild kann man sich leicht in Form einer hinterlüftteten Holzplatte herstellen. Dazu nimmt man eine Holzplatte und klebt 20mm starke Klötzchen auf die untere Seite, so dass die Luft gut darunter zirkulieren kann. Die Platte wird passend auf den Deckel aufgelegt. Die Farbe der Platte hat auf die Temperaturwirkung keinen Einfluss, die Platte kann auch dunkelbraun gestrichen werden. Wir haben dies ausprobiert an Mini Plus, Dadant US und Zander Beuten.

Das Bild zeigt zwei Mini Plus Beuten mit jeweils einem Strahlungsschild gegen Hitzestress der Bienen.

Abb. 3: Alternative Strahlungsschild. Rechts im Bild ist eine weiß angestrichenes, hinterlüftetes Brett als Strahlungsschild aufgelegt, links im Bild ein Brett ohne Anstrich. Wichtig ist, dass das Brett lichtundurchlässig ist und die Luft zwischen Strahlungsschild und Beutendeckel ungehindert zirkulieren kann. Nach unseren Messungen funktionieren Strahlungsschilde und reinweiße Deckelanstriche gleich gut, um den Wärmeeintrag in die Beute zu senken.

Abb. 4: Alternative Strahlungsschild auf Dadant 12er. Das Bild entstand Juni 2023 im Rahmen des Projektes Biene40, die Bienenvölker wurden von Projektpartnerin Iris van den Bongard (Bienenland) betreut. Zu sehen ist ein 12mm starkes Pappelsperrholzbrett, das als Strahlungsschild zwei Beuten vor der Sonnenstrahlung schützt. Auf dem Brett liegt die Elektronik für die kontinuierlichen Temperaturmessungen, Temperatursensoren sind innen auf dem Oberträger angebracht (Messelken, Wurm & Brell  2024)

Anhang

Quellen

Becher, M. A., Scharpenberg, H., & R.F.A. Moritz, (2009): Pupal devel opmental temperature and behavioral specialization of honeybee workers (Apis mellifera L.). Journal of Comparative Physiology A, 195 (7):  S. 673–679, https://doi.org/10.1007/s00359-009-0442-7.

Brell, Claus (2023) Was ist eigentlich Temperatur und wie misst man sie? online ressource, https://cbrell.de/blog/was-ist-eigentlich-temperatur/

Brell, Claus (2025a) Schutz vor Hitze – der Einfluss der Beutendeckel. biene&natur Sonderheft zum Klimawandel, im Druck.

Fahrenholz, L., Lamprecht, I. & B. Schricker, B. (1989): Thermal investigations of a honey bee colony: Thermoregulation of the hive during summer and winter and heat production of members of different bee castes. Journal of Comparative Physiology B 159, S. 551-560. https://doi. org/10.1007/BF00694379.

Alison McAfee, A., Chapman, A., Higo, H., Underwood, R., Milone, J., Foster, L., Guarna, M., Tarpy, D. & Pettis, J. (2020): Vulnerability of honey bee queens to heat-induced loss of fertility. Nature Sustainability 3, S. 367–376, https://doi.org/10.1038/s41893-020-0493-x.

Messelken, Marco; Wurm, Julia, Brell, Claus (2023) Honigbienen im Hitzestress – Messungen und Maßnahmen. BuckfastBienenBayern 1/2023

Messelken,Wurm,Brell(2023) Temperaturmessungen-im-Bienenstock,Entomologie-heute-34

Messelken, Marco; Wurm, Julia; Brell, Claus (2024) Honey Bees Don`t Like It Hot – Temperature Measurements in Beehives During High Sunlight.  https://vixra.org/abs/2401.0107

Seeley, T.D., & R.A.Morse, (1976): The nest of the honey bee (Apis mellifera L.). Insectes Sociaux 23, S. 495–512 . https://doi.org/10.1007/BF02223477.

Seeley, T. D. (1995): The wisdom of the hive: The social physiology of honey bee colonies. Cambridge, MA and London, England: Harvard University Press, 1995. https://doi.org/10.4159/9780674043404.

STABENTHEINER, A.,KOVAC, H., MANDL, M., & H. KÄFER, (2021): Coping with the cold and fighting the heat: thermal homeostasisof a superorganism, the honeybee colony. Journal of Comparative Physiology A 207, S. 337-351. https://doi.org/10.1007/s00359-021-01464-8.

 

Glossar

Bienenstock

Ein Bienenstock ist eine für Honigbienen (Apis mellifera) geschaffene Struktur, in der sie leben, Nahrung sammeln, Brut aufziehen und Honig produzieren. Der Bienenstock besteht aus der sogenennten Beute und dem darin befindlichen Bienenvolk. Das Bienenvolk besteht aus vielen tausend Arbeiterinnen, einer Königin und ein Teil des Jahres mehrere hundert Drohnen. Die Bienen können die Temperatur im Bienenstock konstant hoch halten. Im Brutbereich bevorzugen die Bienen eine Temperatur von 35°C. Im bereich, wo die Bienen Honig lagern, ist die Temperatur geringer.

Honigraum

Der Honigraum befindet sich normalerweise oberhalb des Brutraums, der für die Aufzucht der Bienenbrut (Eier, Larven und Puppen) verwendet wird. Der Honigraum ist vom  Brutraum durch ein Gitter getrennt. Diese Gitter erlauben den Bienen, durchzugehen, verhindern jedoch, dass die Königin vom Brutraum in den Honigraum gelangt und dort Eier legt. Dadurch bleibt der Honigraum – i.d.R. -frei von Brut, und der Honig ist sauberer und einfacher zu gewinnen.

Autor und Lizenz

Autor: Prof. Dr. rer. nat. Claus Brell, abgeschlossene Bienen-Projekte: Biene40AI4Bee, Steel4Bees
Lizenz: CC BY 
Inhalte des Beitrages (Text und Bilder) können Sie entsprechen der Lizenz verwenden. Unter dieser Lizenz veröffentlichte Werke darf jedermann für private, gewerbliche und sonstige Zwecke nutzen verändern und auch neu ohne CC-Lizenz vermarkten. Über eine namentliche Nennung und Verlinkung auf diesen Beitrag würde ich mich freuen.