Zusammenfassung
Am 22. März, zur Tag- und Nachtgleiche, ist es z.B. am Niederrhein oft schon frühlingshaft. Je nach Volkszustand ist die Tag- un d Nachtgleiche ein guter Zeitpunkt, den Honigraum aufzusetzen. Die Kirsche droht mit Blüte, auch Mirabellen und andere Gehölze versorgen die Bienen mit Nektar und Pollen. Insbesondere wenn die Bienen die Honigrähmchen noch ausbauen müssen, sollten die Honigräume schon vor einer einsetzenden Massentracht den Bienen zur Verfügung stehen. Eine frühe Gabe des Honigraums erleichtert zudem das Schwarmmanagement. Ein Volk mit Mini Plus 12er Brut- und Honigraum wiegt etwa 14 kg.
Das Titelbild zeigt drei Mini-Plus-Völker gleich nach dem Aufsetzen des Honigraums am 18.03.2026. Die Völker stehen idyllisch am Rande eines Retentionsbeckens neben einer Streuobstwiese am Niederrhein im Kreis Viersen. Die „Hausnummern“ der Beuten – sie werden einfach durchnummeriert – stammen aus dem 3D-Drucker.
Abstract
On 22 March, the spring equinox, the weather in the Lower Rhine region, for example, often already feels like spring. Depending on the condition of the colony, the spring equinox is a good time to add the honey super. The cherry trees are about to blossom, and mirabelle plums and other trees also provide the bees with nectar and pollen. In particular, if the bees still need to build out the honey frames, the honey supers should be made available to the bees before the main nectar flow begins. Introducing the honey super early on also makes swarm management easier. A colony with a Mini Plus 12-frame brood and honey super weighs around 14 kg.
The cover photo shows three Mini-Plus hives immediately after the honey super was placed on top on 18 March 2026. The hives stand idyllically on the edge of a retention basin next to an orchard meadow in the Lower Rhine region, in the district of Viersen. The ‘house numbers’ on the hives – which are simply numbered consecutively – were produced using a 3D printer.
Ersterstellung 24.03.2026
Analyse zum Zeitpunkt, den Honigraum aufzusetzen
Temperatursumme und Blühstand (Umweltbedingungen)
Der 22. März, also die Tag- und Nachtgleiche, ist zunächst ein Plandatum für die Gabe des Honigraums, das in den meisten Jahren sinnvoll ist. Ist die Grünlandtemperatursumme der Zeit weit voraus und das Völkchen ist schon stark, kann es sinnvoll sein, ein paar Tage früher den Honigraum aufzusetzen. Die Temperatursumme für den eigenen Standort bestimmt man leicht mit der Internetseite https://beelot.de. In Willich am Niederrhein betrug die Temperatursumme am 22.03.2026 363 Gradtage, damit wird zum 23.03. bereits die Kirschblüte erwartet, ebenso zeigt die Mirabell schon die ersten Blütenansätze. Die Bienen tragen fleißig Pollen ein, damit schafft das Umwohnen auch die Voraussetzung, einen Honigraum aufzusetzen und dem wachsenden Volk Platz zu geben.
In 2026 wiesen die Beobachter im phänologischen Kalender den Erstfrühling aus. Was das für die Imkerei heißt, kann man im Beitrag zum Imkern im Erstfrühling nachlesen.
Stärke des Volkes (Bienenbedingungen)
Mindeststärke. Bruder Adam setzt als Mindeststärke für das Aufsetzen des Honigraums neun belegte Dadant-Rähmchen fest. Das gilt für den ertragsorientierten Imker mit Buckfast-Bienen im Devon, für Mini Plus am Niederrhein können andere Maßstäbe gelten. Der Brutraum in 12er Mini Plus umfasst nur 12 Rähmchen. Gut ist es, wenn die Bienen alle Wabengassen besetzen und auf fünf Rähmchen brüten. Aber auch schon ab acht gut besetzten Wabengassen, also zwei Drittel der Beute, ist die Gabe des Honigraums ab der Tag- und Nachtgleiche sinnvoll, da der Honigraum auch als Schwarm-Management-Methode dient.
Problemfall schwaches Volk. Bei weniger als acht besetzten Wabengassen darf die Gabe des Honigraums noch eine Woche warten.
Problemfall kleines Brutnest. Bebrüten die Bienen zur Tag- und Nachtgleiche und bei einer Temperatursumme über 300 Gradtagen weniger als zwei volle Wabenseiten, so entwickelt sich das Völkchen eher zögerlich. In diesem Fall ist zu erwarten, dass die Bienen im Jahresverlauf eher Arbeit machen, ggf. ist es sinnvoll, ein schwaches Volk aufzulösen.
Vorbereitungen
Voraussetzungen
12 Rähmchen Brutraum. Im Weiteren ist vorausgesetzt, dass die Bienen in einem Mini Plus 12er System sitzen, das kann ein 2-in-1-System mit getrennter Zarge und Boden oder ein Überwinterungssystem sein. Das Ganze funktioniert auch in zweizargig geführten Mini-Plus 6er Zargen, allerdings hat es sich in den vergangenen Jahren als arbeitssparend erwiesen, mit 12 Rähmchgen auf einer Ebene im Brutraum zu arbeiten. Das empfehle ich.
12 Rähmchen in zwei Styro-Zargen. Bienenvölker lassen sich mehrjährig auf zwei Mini Plus 6er Zargen führen, gut in Styropor, mit etwas Glück und enger Futterkontrolle im Winter auch in 6er Holzzargen. Die Kombination des zweifarbigen Brutraums mit dem kleinen Rähmchenmaß bedeuten bei allen Durchsichten allerdings mehr Arbeit und die Wahrscheinlichkeit, dass der Königin etwas geschieht, ist höher. Das empfehle ich nur bedingt..
Bonsai-Volk. Einzargig mit 6 Rähmchen im Brutraum ist es auch im zweiten Jahr einer Königin zwar grundsätzlich möglich, jedoch sehr anstrengend und pflegeintensiv. Das empfehle ich nicht.
Wabenhygiene sollte bereits erfolgt sein. Alle Aktivitäten am Brutnest erfordern nach der Honigraumgabe, dass der Honigraum und das Absperrgitter auch abgeräumt werden müssen.
Abb.: Mini Plus Bienenvölker vor der Honigraumgabe. Das Volk mit der Hausnummer 3 hat noch die Anti-Velutiuna-Flugloch-Einengung aus der Überwinterung (auch als Mäuseschutz), die im Zuge des Honigraum-Aufsetzens gleich durch einen größeren Holzkeil ersetzt wird.
Material
Am Stand sollten je Volk bei der Honigraumgabe bereitstehen:
- eine Honigzarge mit 12 präparierten Rähmchen. Da die Rähmchen nicht ganz stramm sitzen, sollten sie als Block nach vorn geschoben werden.
- ein Absperrgitter (aus Metall im Holzrahmen, ersatzweise ein zurechtgeschnittenes Dadant-Kunststoff-Absperrgitter)
- eine Folie, ein Innendeckel, ein Außendeckel (das liegt vermutlich sowieso auf den Völkern)
Honigzargen präparieren
Da die Honigraumgabe auch ein wenig Beschäftigungstherapie für die Bienen sowie Schwarmverhütungsmaßnahme ist, hat sich bewährt, den Bienen zwar Arbeit zu geben, das Ergebnis der Arbeit aber weitgehend zu lenken.
Naturbau. Wer kompletten Naturbau im Honigraum bevorzugt, muss damit rechnen, dass die Bienen ihre eigenen Vorstellungen haben und sich nicht zu 100% an die Vorgabe durch den Oberträger halten. Das Ergebnis können (müssen aber nicht) wild gebaute Honigwaben sein, die sich bei der Kontrolle dem Ziehen widersetzen und für Nektargekleckse bei einer Durchsicht sorgen können.
Vertikale Mittelwandstreifen. Es hat sich bewährt den Bienen einen vertikalen Anfang für den Wabenbau zu geben, der etwa ein Drittel der Wabenfläche ausmacht. Anfänger können auch mit halben vertikalen Mittelwänden arbeiten. Im Falle von Mittelwänden werden die Mittelwände vertikal gedrittelt und ein Streifen möglichst mittig vertikal in das Rähmchen eingelötet. Stehen noch saubere und ordentliche Honigwaben zur Verfügung, so kann man links und rechts ein Drittel davon mit einem Küchenmesser wegnehmen.
Rähmchen markieren. In Jahresfarbe kann man bei Mittelwänden das Jahresdatum auf den Oberträger schreiben. Das erleichtert das Hygienemanagement der Waben.
Honigräume aufsetzen
Ablauf
Das Aufsetzen der Honigräume geht schnell und ist eher unspektakulär. Es sollte normalerweise ohne Rauchgabe funktionieren. Rauch lässt sich bei einer Honiganalyse immer nachweisen und ist ein Qualitätsmangel.
Der Ablauf ist:
- Deckel abnehmen und beiseite legen
- Folie möglichst zügig abnehmen und beiseite legen
- Absperrgitter so auflegen, dass beidseitig der beespace gewährleistet ist
- Honigzarge aufsetzen mit Rähmchen bündig nach vorn Richtung Flugloch
- Folie auflegen – mit der klebrigen Seite nach unten
- Deckel auflegen
- Optional: Beuten wiegen
Optional Beuten wiegen
Drei Methoden. Kenntnis des Beutengewichts und der Entwicklung des Beutengewichts über die Zeit ist keine Voraussetzung für erfolgreiches Imkern, trägt jedoch zum Erkenntnisgewinn – und damit zum Erleben mit den Bienen – bei. Es macht Freude und ist erhellend, die Gewichtszunahme oder auch Abnahme in der Trachtzeit zu beobachten. Als Möglichkeiten kommen drei Verfahren in Frage: Einseitiges kurzes Anheben und schätzen des Gewichts (wie von Pia Aumeier beschrieben), Wiegen der Beute vorne und hinten mit einer Kofferwaage, Untersetzen einer Trachtwaage.
Einseitiges Anheben. Von hinten greift man in den Boden und hebt die komplette Beute einseitig an. Das ergibt dann einen Eindruck für das halbe Beutengewicht. Den Eindruck notiert man z.B. auf der Stockkarte für spätere Kontrollen. Diese Methode ist vom Talent des Imkers und seinen Schätzfähigkeiten abhängig. Einseitiges Anheben ist eine eher ungenaue Methode.
Kofferwaage. Mit einer einfachen Kofferwaage in der 6 Euro Klasse lässt sich das Gewicht einseitig und recht präzise vorne und hinten bestimmen. Das Gesamtgewicht ist die Summe der beiden Werte. Interessant ist zu beobachten, wie sich das Gewicht vorne und hinten unterschiedlich im Zeitablauf entwickelt.
| Volk-Nr | 2 | 3 | 4 | 5 |
|---|---|---|---|---|
| vorne [kg] | 6,85 | 6,90 | 7,45 | 7,05 |
| hinten [kg] | 5,80 | 6,95 | 8,10 | 8,06 |
| Summe [kg] | 12,65 | 13,85 | 15,55 | 15,65 |
Tab. 1: Beispiel einer Gewichtsmessung nach dem Aufsetzen der Honigräume im Mini Plus 12er Holzsystem am 18.03.2026 . Die Gewichte wurden mit einer einfachen Kofferwaage bestimmt..
Trachtwaage. Bequem ist die Gewichtskontrolle mit einer Trachtwaage. Hierzu gibt es unterschiedliche Systeme: Wolf-Waagen für Imker, die einen Full-Service wünschen, beelogger als Community-Projekt oder Steel4Bees für Maker.
Kontrolle
Nach ein paar Tagen kann eine Kontrolle über die Annahme der Honigräume erfolgen. Buckfast-Bienen nehmen Honigräume gerne an, Carnica sollte bei guter Volksstärke ebenfalls bereit sein, in den Honigraum hochzugehen. Tips wie Hochhängen von Brutwaben sollte man eher ignorieren, im weiteren Verlauf macht das eher unnötige Arbeit. Eher lohnt es sich, einfach nur abzuwarten, sobald es dem Volk in einer Zarge zu eng wird, werden sie die Honigzarge annehmen. Tun die Bienen das dauerhaft nicht, hat die Königin eher unerwünschte Eigenschaften und sie sollte alsbald ausgetauscht werden, da diese Volk sich auch schwertun wird, mit dieser Königin ausreichend Winterbienen zu erzeugen.
Dank
Ich danke den Imkerkolleginnen und -kollegen in den Vereinen Imkerverein Viersen Stadt (80 Mitglieder) und Imkerverein Krefeld (130 Mitglieder) sowie dem Vorsitzenden des Kreisimkerverbandes Viersen für die stete Diskussionsbereitschaft und konstruktive Kritik.
Autor und Lizenz
Prof. Dr. Claus Brell
Bienensachverständiger NRW
Wespen- und Hornissenberater
Obmann für neue imkerliche Betriebsweisen im Kreisverband Viersen
aktuelle Projekte: Biene40,Steel4Bees
CC BY 
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