Mini-Plus für den Winter einfüttern – was sollen Beuten wiegen?

Adam Fütterer für Mini Plus, alternativ mit einem Dessertschälchen als Abdeckung.

Mini-Plus stellt aufgrund des geringen Platzangebotes hinsichtlich der Überwinterung etwas Ansprüche an die Futterüberwachung. Mit einer einfachen Kofferwaage und ein paar Annahmen gelingt die Mini-Plus Winterfütterung.

Service: für eigene Berechnungen stelle ich hier mein Excel-Kalkulationsblatt „Mini-Plus Futter Rechner“ zur Verfügung: Mini-Plus-Futter-Rechner

Wie groß ist der Futterbedarf eines Mini-Plus-Volkes im Winter?

Kein Bienenvolk ist wie das andere. Der Futterbedarf eines Volkes hängt von mehreren Rahmenbedingungen und auch von der Genetik des Volkes ab. Dazu gehören

  • Struktur der Wintertraube: Bleibt das Volk in der Wintertraube oder löst es die Wintertraube bei ein paar warmen Tagen auf? Bleibt das Volk in der Winterruhe oder fängt es verfrüht an zu brüten? Füllt das Volk die Beute so aus, dass es die Konvektion (Luftbewegung) in der Beute kontrollieren kann? Sitzt die Wintertraube an der Beutenwand und ist die Beutenwand isoliert, so dass die Strahlungs- und Konvektionsverluste teilweise begrenzt sind?
  • Außenbedingungen: Wie ist das Wetter – Temperatur und Luftbewegung? Stehen die Bienen störungsfrei bzw. wie oft werden sie gestört und verbrauchen so zusätzlich Energie?

Diese Rahmenbedingungen wird man i.d.R. nicht kontrollieren können. So ist es sinnvoll, über Schätzverfahren zum Futterbedarf zu kommen.

Einen gesamten Winterfutterbedarf von 0,35 kg je besetzte Mini-Plus-Wabe schätzt die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (o.J.) Das wären 0,35kg / (2*350 Bienen) = 0,5 g / Biene. Bei einem zweizargigen Mini-Plus-Volk mit 6300 Bienen sollten so 3,15 kg Futter über den Winter knapp genügen.

Wie und wieviel wird gefüttert?

Es sollte so viel eingefüttert werden, dass das Volk rechnerisch über den Winter kommt und zu Beginn des Vorfrühlings (Haselblüte) noch etwas Reserve hat. Zudem verbraucht das Volk noch etwas Energie bei der Umsetzung von Sirup in Honig – zum einen durch die Bereitstellung von Enzymen, aber zum anderen schlicht auch durch Bewegung.

Man kann nun die zu gebende Sirupmenge ausrechnen. Etwas besser ist es, den Fütter-Erfolg bzw. den Fütter-Bedarf  zu messen. Dazu eignet sich eine preiswerte Kofferwaage.

digitale Kofferwaage, ein prima Wägeinstrument für Mini-Plus-Beuten

Abb. 1: Preiswerte Kofferwaage, um Gewichtsmessungen an Mini-Plus-Beuten vornehmen zu können.

Um mit den Messungen etwas anfangen zu können, ist es wesentlich, die Gewichte der einzelnen Komponenten einer Mini-Plus-Beute zu kennen, diese sind in der Tab. 1 dargestellt.

Komponente der Mini-Plus-Beute (Styropor) Gewicht in Kilogramm, gerundet
Styropor Leerzarge 0,47
Styropor Deckel 0,26
Styropor Bodenzarge 0,26
Holz Bodenzarge (Binonatur) 0,59
Sechs Rähmchen 0,50
Wachs in einer Zarge 0,12
Adam-Fütterer 1,01
Abdeckung Kunststoff für Fütterer 0,02
gut gefüllte Honigzarge komplett 4,75
Blechdeckel 0,87

Tab. 1: Einzelgewichte der Komponenten in einer Mini-Plus-Beute

Durch einfach Addition lassen sich so interessierende Werte berechnen. So fasst eine Mini-Plus-Honig-Zarge, die 4,75 kg wiegt, 4,75kg-0,12kg-0,5kg-0,47kg=3,66kg Honig. In ein Rähmchen passt maximal 1.100 g Honig bzw. Futter.

Für die Bestimmung der benötigten Futtermenge ist nun noch eine Annahme über die vorhandene Bienenmasse erforderlich. Recht gut ermitteln Sie die im Rahmen einer Populationsschätzung: Schauen Sie sich alle Rähmchen an und stellen Sie sich vor, die Bienen darauf säßen dicht an dicht. Welchen Anteil des Rähmchens würden die Bienen dann belegen? Meist wird es eine Fläche zwischen ½ und ¾ der Wabe sein.

Auf einen Quadratzentimeter Brutwabenoberfläche passen im Schnitt 1,25 Bienen (vgl. Imdorf&Gerich 1999). Eine Mini-Plus Wabenseite fasst mit 20,0cmx14,0cm=280qcm 350 Bienen.

Maximal passen somit in eine Mini-Plus-Zarge 2*6*350 Bienen=4200 Bienen.

Zur Vereinfachung seien in der Tab. 2 für verschiedene Aufbauhöhen und verschiedene mittlere Besetzungsdichten die Gesamt-Bienenanzahl geschätzt.

Besatz mit Bienen Maximal (100%) ¾ (75%) ½ (50%)
Einzargig 4.200 3.150 2.100
Zweizargig 8.400 6.300 4.200
Dreizargig 12.600 9.450 6.300
Vierzargig 16.800 12.600 8.400

Tab. 2: Geschätzte Gesamt-Bienenzahl bei unterschiedlichen Aufbauten in Mini-Plus

Mit einem wie o.a. Honigbedarf von 0,5g / Biene ergibt sich für ein zweizargiges zu ¾ besetztes Volk ein Bedarf von 3,15 kg Honig als Futter. Eine Arbeiterin wiegt etwa 82 mg, 6300 Bienen wiegen somit etwa 0,52 kg.

Nach dem Auffüttern sollte sich das Gesamtgewicht der zweizargigen Mini-Plus-Beute mit Adam-Fütterer folglich um

            0,52 kg Bienen
            1,00 kg Rähmchen
            0,94 kg Leerzargen
            0,24 kg Wachs
            0,26 kg Deckel
            0,59 kg Bodenzarge
            1,01 kg Adam Fütterer
            3,15 kg Honig / Futter
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
=          7,71 kg Gesamtgewicht inkl. Fütterer bzw.
=          6,70 kg Gesamtgewicht ohne Fütterer.

bewegen.

In Krisensituation (das Volk wird gestört, das Volk fängt an zu brüten …) kann es mit dieser Menge knapp werde. Für diese Unwägbarkeiten können etwa 20% Aufschlag zur Futtermenge gegeben werden, so dass sich ein Gesamtgewicht von etwa 8,40 kg ergibt. Für die anderen Konstellationen nach Tab. 3 sind die mindest Futtermenge,  das Mindest Gesamtgewicht und das möglichst nicht zu erreichende Voll-Futter-Gewicht  ohne Adam-Fütterer ausgerechnet und in Tab. Yy zusammengestellt.

Besatz mit Bienen Maximal (100%) ¾ (75%) ½ (50%
Einzargig 2,10 / 4,38 / 8,88 1,58 / 3,77 / 8,80 1,05 / 3,16 / 8,71
Zweizargig 4,20 / 7,92 / 16,92 3,15 / 6,70 / 16,75 2,10 / 5,47 / 16,57
Dreizargig 6,30 / 11,45 / 24,95 4,73 / 9,62 / 24,69 3,15 / 7,79 / 24,44
Vierzargig 8,40 / 14,99 / 32,99 6,30 / 12,54 / 32,64 4,20 / 10,10 / 32,30

Tab. 3: Geschätzte benötigte Futtermengen,  und Mindest-Gesamtgewicht und Voll-Futter-Gewicht in kg für die Überwinterung bei unterschiedlichen Aufbauten und Populationsdichten in Mini-Plus. Lese-Beispiel: Dreizargig mit Waben im Mittel halb besetzt sollte mindestens 3,15 kg Futter haben, die Beute wiegt dann etwa 7,79 kg, wiegt sie 24,44 kg hat die Königin keinen Platz mehr für die Eiablage.

Zwei Mini-Plus Beuten mit Adam-Fütterer

Abb. 2: Zweizargige Mini-Plus-Beuten mit Adam-Fütterer auf einem Versuchsstand.

Nicht immer ist es erforderlich, ein Volk zu füttern. Das Bienenvolk auf dem Dach der Hochschule Niederrhein ist am 10.09.2021 dreizargig, voll mit Bienen besetzt und wiegt 16 kg. Das Sollgewicht ist also größer 11,46 kg und kleiner als 24,95 kg. Das Volk hat also gute Reserven und benötigt kein weiteres Futter

Quellen

Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (o.J.) Fütterung von Bienenvölkern. https://www.lwg.bayern.de/mam/cms06/bienen/dateien/fuetterung_.pdf, abgerufen am 10.09.2021

Imdorf, Anton & Gerig, Luzio (1999) Lehrgang zur Erfassung der Volksstärke. Schweizerische Zentrum für Binenforschung. Bern. http://blog.imkereiobstwiese.de/wp-content/uploads/2010/01/lehrgang99_d.pdf, abgerufen am 10.09.2021

 

Teile diesen Beitrag.