Wirtschaftsinformatik – was ist das?

Informatik (engl. Computer Science) ist die Wissenschaft von der systematischen Verarbeitung von Informationen, meist mithilfe von Computern. Die Informatik untersucht grundsätzliche Verfahrensweisen für die Verarbeitung von Informationen und Methoden der Anwendung solcher Verfahrensweisen in unterschiedlichen Bereichen.

Ein solcher Bereich ist z. B. die Wirtschaft, also das Zusammenspiel von Unternehmen mit Kunden und mit anderen Unternehmen. Dieses Zusammenspiel der direkten Wirtschaftsakteure, also Unternehmen und Kunden, wird von einem Teilbereich der Wirtschaftswissenschaften untersucht, der Betriebswirtschaftslehre (BWL). Man kann Betriebswirtschaftslehre studieren, Betriebswirtschaftslehre wendet wissenschaftliche Methoden an, ist allerdings selbst keine Wissenschaft.

Wirtschaftsinformatik ist nun das Bindeglied zwischen Betriebswirtschaftslehre und Informatik. Manche vermuten, dass Wirtschaftsinformatik eine Wissenschaft ist. Sie befasst sich mit dem Entwurf, der Entwicklung und der Anwendung computergestützter Informations- und Kommunikationssysteme (IuK-Systeme) in Unternehmen und Verwaltungen zur Unterstützung ihrer Geschäftsprozesse. Die computergestützten Systeme sind so genannte betriebliche Anwendungssysteme. Wenn Menschen und Organisationseinheiten mitbetrachtet werden, spricht man von betrieblichen Informationssystemen (Abb. 1).

Anwendungssystem vs. Informationssystem

Abb 1: Der Zusammenhang zwischen betrieblichen Anwendungssystemen und betrieblichen Informationssystemen.

Wirtschaftsinformatik ist interdisziplinär und bezieht arbeitswissenschaftliche, psychologische, soziologische und mathematisch-technische Aspekte mit ein (Abb. 2).

Durch neuere Entwicklungen rund um künstliche Intelligenz (KI, engl. AI) und machine learning sowie Internet of Things (IoT) hat die Wirtschaftsinformatik eine stärkere technische Ausrichtung erhalten. Data Mining und Data Science haben die Ansprüche an die mathematischen Grundfähigkeiten des Wirtschaftsinformatikers erhöht.

Wirtschaftsinformatik als Schnittmenge vieler Disziplinen

Abb. 2: Wirtschaftsinformatik als Schnittmenge unterschiedlicher Disziplinen

Wirtschaftsinformatik beschäftigt sich damit, unternehmerische Ziele mit Hilfe des Einsatzes von betrieblichen Anwendungssystemen zu erreichen (Effektivität) oder die betrieblichen Ziele mit höherem Wirkungsgrad zu erreichen (Effizienz) (Abb. 3).

Wirtschaftsinformatik, Ziel, Gegenstand und Methode

Abb. 3: Ziel und Methodik der Wirtschaftsinformatik. Wesentlich sind die Analyse und die Gestaltung betrieblicher Informationssysteme.

Ein Wirtschaftsinformatiker bearbeitet nun häufig eine oder mehrere der folgenden Aufgabenstellungen:

  1. Analyse von bestehenden Informationssystemen.
  2. Gestaltung neuer Informationssysteme.
  3. Untersucht die häufige Fragestellung: Wie kann man es besser machen?
  4. Analyse und Optimierung von Geschäftsprozessen.

Dabei geht ein Wirtschaftsinformatiker zunehmend methodisch vor. Einige (nicht alle) Methoden sind:

  • Modellierung der Systemarchitektur mit z.B. ARIS ( für die Analyse und Gestaltung von Informationssystemen)
  • Programmierung (für die Gestaltung von Informationssystemen)
  • Testtheorie, Befragungen, Fokusgruppen (für wissenschaftliche Fragestellungen)

Gefragt sind insbesondere Wirtschaftsinformatiker, die Programmieren können, aber auch ein Verständnis für Wirtschaft aufbringen. Ein Wirtschaftsinformatiker muss nicht gut programmieren können, allerdings muss er algorithmisch denken können. Ein Grundmaß an Mathematikkenntnissen benötigt der Wirtschaftsinformatiker auch: Dreisatz und etwas Statistik (Mittelwert, Median, Häufigkeitsverteilung) sind unverzichtbar, zumindest die erste Ableitung ist für das Verstehen von betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen erforderlich.

Weiterlesen:

Hansen, Robert; Mendling, Jan; Neumann, Gustaf (2019) Wirtschaftsinformatik. 12. Auflage. De Gruyter, Berlin. S. 1 – 21.

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