Warmer Kopf für Bienen – Beuteninnendeckel aus XPS

Bienen überleben in ungedämmten und stark gedämmten Kisten. Nach meinen Erfahrungen und Messungen der letzten sechs Jahre profitieren die Bienenvölker besonders im Winter von einem warmen Kopf. Der Beitrag „Warmer Kopf für Bienen – Beuteninnendeckel aus XPS“ beleuchtet ein wenig den Hintergrund und zeigt, wie man einen warmen Innendeckel selber baut.

Ersterstellung 25.09.2026

Bedeutung des Zargenmaterials

Es lässt sich durchgängig beobachten, dass Bienen in stark gedämmten Beuten im Winter weniger Futter verbrauchen. Bei strengen Wintern im Alpenraum berichten Imker dort, dass die Bienen eher in isolierten Beuten mit geschlossenen Böden überleben. Bruder Adam hat allerdings in einer Untersuchung an 168 Völkern im Devon festgestellt, dass die Völker in stark isolierten Behausungen im Frühjahr einen deutlich weniger rasante Entwicklung zeigen. Untersuchungen von Aumeier und Liebig zeigen, dass es keinen Unterschied in der Volksentwicklung und der Wintersterblichkeit gibt zwischen Völkern in ungekämmten und stark gedämmten Beuten.

Bienen mögen Wärme, das haben wir im Projekt AI4Bee dadurch festgestellt, dass die Bienen an kalten Tagen der jeweils sonnenbeschienenen Seite der (Holz-)Beute gefolgt sind. Bei einem Experiment mit einem kleinen Heizpad auf der Folie unter dem ungedämmten Innendeckel folgte die Bienentraube nachts ebenfalls der Wärmequelle.
Wenn kleinere Bienenvölker ein Thermoschied angeboten bekommen, schmiegen sie sich in kühleren Nächten daran.
Öffnet man in der kühlen Jahreszeit insbesondere bei feuchtem Wetter ein nicht zu starkes Volk, das einzargig in Holz (Dadant 12er) geführt wird, so sitzt es eher mittig und sorgt für eine Luftschicht zwischen sich und der feucht-kühlen Zargenwand. Öffnet man in der kühlen Jahreszeit  ein  Volk, das einzargig in Styropor (Segeberger) geführt wird, so sitzt es eher an der Seitenwand und benutzt die Zargenwand als Wärmeschild und Strahlungsschild – Styropor isoliert nicht nur gegen Wärmeleitung, sondern sperrt auch Infrarot-Strahlung, so dass die Bienen weniger Heizen müssen.

Imkerkollegen in Segeberger (Styropor) haben ordentliche Honigerträge, Imkerkollegen in Holz (Dadant) auch.

Es scheint also – auch nach vielen Untersuchungen – unklar, was besser für die Bienen ist. Daher erlaube ich mir, von den eigenen persönlichen Erfahrungen in den letzten Jahren auszugehen.

Gestartet bin ich mit Bienen in Styropor-Beuten. Das hat gut funktioniert. Das Arbeiten an und mit Styroporzargen macht mir allerdings weniger Freude als das hantieren mit Holzzargen, die zudem länger halten und schöner aussehen. Zwei Drittel meiner Völker wohnen mittlerweile in Holzbeuten (allerdings mit isoliertem Deckel). Sie brauchen etwas mehr Futter. Der Specht isst bei Holzbeuten weniger schnell erfolgreich.Nach meinem Eindruck schadet den Bienen kein Zangenmaterial – so führe ich meine Völker in Holzbeuten.

Bedeutung des Beuten-Innendeckels

Im Winter: Solange die Bienentraube weiter unten sitzt, ist die Isolierung des Innendeckels ohne Bedeutung. Er darf nur nicht zugig sein. Die landläufige Vorstellung, dass Wärme nach oben steigt und es eine warme Luftschicht über den Bienen gibt, ist zwar naheliegend, aber von vernachlässigbarerer Größenordnung. Anders sieht es aus, wenn die Bienen bei sehr kühlen Außentemperaturen oben am Oberträger angekommen sind und ggf. über den Oberträger auf eine andere Wabenseite zum dortigen Futtervorrat wechseln wollen. Dann haben die Bienen fast Körperkontakt zum Innendeckel und die isolierende Wirkung hat eine entscheidende Bedeutung, ob der Wabenseitenwechsel gelingt. Das lässt sich mit einfachen Temperaturmessungen, die wir im Projekt Biene40 vorgenommen haben, zeigen. Nach meiner Beobachtung gibt es in Völkern mit gut isoliertem Deckel keinen Futterabriss im Winter.

Die üblichen Innendeckel-Isolierungen auf Holzfaserstoffen sind oft feucht. Damit isolieren sie überhaupt nicht mehr. Außerdem sind Innendeckel aus Holz mit feuchter Faserplatte schwer. Das Heben der Beuten mit schwerem Innendeckel fällt mir zunehmend schwer.

Das spricht für einen Styropor-Innendeckel. Solche setze ich in Kombination mit einem ungekröpften Blechdeckel und einer transparenten Folie (Bienen zerfressen Styropor gerne) seit mehreren Jahren ein und bin mit dem Handling sehr zufrieden. Die Innendeckel bestehen aus einer einfachen, mit dem Messer auf Maß geschnittenen 5cm dicken Styroporplatte aus dem Baumarkt.

Im Sommer: Die Isolierung des Innendeckels hat im Sommer einer geringere Bedeutung. Wärmeeintrag durch Wärmeleitung bei Sonneneinstrahlung kann ein Innendeckel zwar mindern, aber nicht be´verhindern, hier ist ein weiß gestrichener Außendeckel wirksamer.

Handhabung: Der Nachteil leichter Beuten-Innendeckel ist, dass sie bei Durchsichten bei windigem Wetter gerne einmal wegfliegen.

Nachteil von Styropor: Styropor, wenn es nicht hoch verdichtet ist wie bei den Stehr-Beuten (Nordpol), ist mechanisch empfindlich. Nach mehreren Jahren sind sie ausgefranst und die Ecken sind zerbröselt. Daher ersetze ich verschlissene 5-cm-Styropor-Inenendeckel durch 4cm-XPS-Platten (Styrodur).

Beuten-Innendeckel aus XPS-Platten selber bauen

Im Baumarkt bekommt man 2cm starke XPS-Platten, die meist gelb eingefärbt sind. Die Platten sind sehr formstabil, solange sie nicht länger der UV-Strahlung ausgesetzt sind. Als Außenmaterial für Bienenbeuten eignen sich XPS-Platten ohne zusätzliche Beschichtung nicht.

Die Platten lassen sich mit einem scharfen Küchenmesser leicht in die richtige Größe schneiden (Abb. 1).

Zwei Platten, mit einem wasserfesten Holzleim zusammengeklebt, ergeben einen 4cm starken isolierenden Innendeckel. Die Verklemmung sollte under Druck erfolgen (Abb. 2), das Abtrocknen des Holzleims dauert länger, da die Platten geschlossenporig sind.

Abb. 1: XPS-Platten (1) zuschneiden mit einem scharfen Messer mit dünner Klinge (2). Zwei Platten werden zu einer Platte mit Holzleim (3) zusammengeklebt. Der Kleberauftrag sollte bis zum Rand der Platte gehen, muss aber nicht vollflächig sein (4).

Zuschnitt XPS Platten für Innendeckel

Abb. 2: Damit die Platten ((1) und (2) )nach dem Verkleben plan auf dem Zargenrand aufliegen, sollten sie mit einer passenden Zarge (3) und / oder mit Steinen (4) bzw. einem gefüllten Wasserkanister (5) mehrere (24)  Stunden beschwert werden. Das XPS-Platten geschlossenporig sind, lüftet der Holzleim nur sehr langsam an.

Bezugsquellen

2cm XPS-Platten, Beispiel Toom (hat jeder Baumarkt)

Wasserfester Holzleim, Beispiel Ponal bei Hornbach (hat jeder Baumarkt)

Anhang

Quellen

Ergebnisse des Projektes Biene40 (Temperaturen im Bienenstock)

Zur „Physik des Beutendeckels“

Glossar

Futterabriss

Ein Futterabriss beschreibt eine bedrohliche Situation im Bienenvolk im Winter oder zeitigen Frühjahr, bei der die Bienen trotz voller Futterwaben im Bienenstock verhungern, weil sie das Futter nicht mehr erreichen können. Kälte hindert die Bienen daran, innerhalb der Beute an das vorhandene Futter zu gelangen.

Isolierte Beuten (wie Hartschaumbeuten aus EPS und/oder eine Deckelinnendämmung aus XPS) dämpfen extreme Temperaturschwankungen ab. Dadurch zieht sich die Traube bei Frost nicht ganz so extrem zusammen, was das Risiko eines Abrisses mindert.

Styropor (EPS)

Styropor ist der Markenname für EPS (Expandiertes Polystyrol), einen leichten, weißen Schaumstoff, der  aus 98 % Luft und 2 % Polystyrol besteht.Während XPS durch ein Strangpressverfahren  dicht und wasserfest gepresst wird, entsteht Styropor (EPS) durch das Aufblähen von kleinen Kunststoffperlen mit Wasserdampf.

In der Imkerei wird EPS (Expandiertes Polystyrol) – Styropor – als Material für Bienenbeuten eingesetzt. Hartschaumbeuten aus EPS (wie die in Deutschland verbreitete „Segeberger Beute“ oder das Stehr Mini-Plus System) haben sich  aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften zu einer populären Alternativen zu Holzbeuten entwickelt

XPS

XPS bezeichnet einen harten, geschlossenzelligen Schaumstoff, der vor allem für die Wärmedämmung eingesetzt wird. Bekannt ist das Material im deutschen Sprachraum auch unter dem Markennamen Styrodur. Während das klassische weiße Styropor (EPS) grobkörnig ist und Wasser aufsaugen kann, ist XPS dichter, und glatter, oft farbig und  feuchtigkeitsresistent.

XPS wird im Bienenstock gezielt für Spezialaufgaben, für den Eigenbau oder als Schutzbarriere (Thermoschiede) eingesetzt. Aufgrund des höheren Preises gibt es keine kommerziellen Beutensysteme aus XPS.

Unterschiede EPS und XPS

Eigenschaft Styrodur XPS (Extrudiertes Polystyrol) Styropor / EPS (Expandiertes Polystyrol)
Herstellung Extruiert (geschmolzen und gepresst) Expandiert (Vorschäumen von Perlen) [1.1]
Struktur Geschlossenzellig (glatt, homogen) Offenporig (erkennbare Kügelchen)
Farbe Meist farbig (blau, grün, rosa, lila) Fast immer rein weiß
Druckfestigkeit Sehr hoch (hält extremen Belastungen stand) Geringer (gibt unter starkem Druck nach)
Feuchtigkeit Absolut wasserresistent und verrottungsfest Kann bei langem Kontakt Wasser aufsaugen

Wintertraube

Die Wintertraube ist eine  Überlebensstrategie der Honigbienen – als staatenbildende Insekten – für die kalte Jahreszeit. Da Bienen keinen Winterschlaf halten und bei niedrigen Temperaturen erstarren würden, schließen sie sich bei sinkenden Temperaturen im Bienenstock zu einer dichten Kugel zusammen. Dieses Phänomen beginnt typischerweise, sobald die Außentemperaturen dauerhaft unter 8 bis 10 °C fallen.

Die Wintertraube ist in Schichten aufgeteilt. Im Zentrum sitzt die die Königin. Sie wird von den Arbeiterinnen umschlossen und warm gehalten. Dauerhaft kühle Temperaturen schaden den Spermienvorräten in der Königin. Die äußere Schicht bildet eine  Isolationshülle aus Bienen, die dicht an dicht sitzen. Die Bienen an der Außenhülle kühlen mit der Zeit ab. Bevor sie jedoch bei unter 10 °C erstarren, findet eine ständige Bewegung der Bienen von außen nach innen statt. Die aufgewärmten Bienen aus dem Inner nach außen, während die ausgekühlten Bienen ins wärmere Zentrum drängen, um sich zu erholen.

Die Wintertraube sitzt in direktem Kontakt mit den Futterwaben. Sie wandert im Laufe des Winters als geschlossene Kugel ganz langsam über die Waben, um den Vorrat nach und nach zu verbrauchen. Reißt dieser Kontakt ab – weil es zu kalt ist, als dass sich die Kugel bewegen könnte –, kommt es zum Futterabriss.

Dank

Ich danke den Imkerkolleginnen und -kollegen in den Vereinen Imkerverein Viersen Stadt (80 Mitglieder) und Imkerverein Krefeld (130 Mitglieder)  für die stete Diskussionsbereitschaft und konstruktive Kritik.

Autor

Prof. Dr. Claus Brell

Bienensachverständiger NRW

Wespen- und Hornissenberater

Obmann für neue imkerliche Betriebsweisen im Imker-Kreisverband Viersen Krefeld

abgeschlossene Bienen-Projekte:  Biene40,Steel4Bees, AI4Bee

CC BY 
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