Nach der Honig-Schleuderung sollen leere Honigwaben für die nächste Saison gelagert werden. Eine gute Belüftung sorgt dafür, dass sich keine muffigen Gerüche bilden und die Honig-Rähmchen trocken sind bzw. werden. Mit wenig Aufwand lässt sich eine solar betriebene Lüftung installieren.
Das Titelbild zeigt die oberste Zarge mit leeren Honigwaben und einer Bienenflucht als Halterung für ein Lüfter-Modul.
Ersterstellung 17.10.2026
Warum Wabenlager belüften?
- Waben trocken schlecken lassen: Vor der Einlagerung von honigfeuchten Waben sollten die Bienen diese noch säubern („ausschlecken“ lassen).
- Stapeln: Die Rähmchen werden platzsparend in Zargen übereinandergehängt, wobei oben und unten ein Gitter für Durchzug (*) und Schutz sorgt.
- Keine bebrüteten Waben: Bebrütete Waben (dunkel, mit Pollenresten) sind anfälliger für Schädlinge als helle Jungfernwaben oder reine Honigwaben und sollten konsequent getrennt oder direkt eingeschmolzen werden.
(*) Wachsmotten mögen keine Zugluft und keine moderat niedrigen Temperaturen. Durch eine solare „Zwangsbelüftung“ entsteht ein Luftzug, der Motten bei der Entwicklung stört
Aufbau der solaren Belüftung
Abb. 1: Die Teile für den „Kopf“ der Waben-Belüftungsanlage. Nur wenige kleine Teile, die sich gut lagern lassen, sind zusätzlich zu erstellen. Zu sehen ist eine Bienenflucht mit zwei Einsätzen. Die Bienenflucht ist ein Eigenbau aus einer 6mm Pappel-Sperrholzplatte mit Aussparungen für runde Imgut Bienenflucht Einsätze. Die Bienenflucht wird hier als Deckel für den Zargen-Stapel und Halterung für den Lüfter verwendet. In grün sind die 3D-Druck-Teile ausgeführt, die eine Fixierung des Lüfters auf der Bienenflucht ermöglichen: Links unten im Bild eine Platte mit einem 6mm Flansch, der den Lüfter in der Aussparung der Bienenflucht fixiert, rechtsdaneben (in der Mitte unten) ein Gitter gegen Insekten – das macht die Anlage bienendicht, darüber ein paar Kleinteile für die Montage bez Halterung für eine Buchse. Betrieben wird er Lüfter mit einem Solarpanel. Das hier gezeigte Solarpanel liefert bis 7 Volt und treibt den Lüfter bei Tageshelligkeit zuverlässig an. Als Lüfter kommt ein leiser 12 Volt PC-Lüfter mit 120mm Durchmesser zum Einsatz. Die 3D-Druck-Teile dienen lediglich der Bequemlichkeit und der leichten Montage, man könnte den Lüfter auch einfach auf die Bienenflucht schrauben.
Abb. 2: Die Einzelteile für die Wabenbelüftung montiert. Der Bienenflucht-Einsatz ist mit Tesa-Band zugeklebt, so strömt dort keine Luft hinein und auch die Fluginsekten müssen außen bleiben.
Abb. 3: Detail Lüfter-Einsatz. Der Lüfter liegt nur lose in der Aussparung für einen Bienenflucht-Einsatz. Wird die Bienenflucht benötigt, nimmt das Modul wenig Platz weg.
Abb. 4: Unter den Zargen-Stapel mit den Waben kommt ein Holzrahmen mit einem 35 mm Loch, in das Luft einströmen kann. Das Loch wird bienendicht mit einem Gittereinsatz aus dem 3D-Drucker verschlossen. Die Druckdatei ist weiter unten zur Verfügung gestellt. Alternativ kann man auch ein Absperrgitter auf vier Klötzchen stellen.
Abb. 5: Das belüftete Wabenlager im Gartenhaus. Fünf Zargen mit geschleuderten und ausgeschleckten Honigwaben stehen auf dem Holzrahmen mit Lüftungsloch. Oben liegt die Bienenflucht mit dem Lüftermodul auf. Das Solarpanel liegt außen auf dem Garagendach. Das Anschlusskabel ist mit einem Stück Lautsprecherkabel (2×0,75qmm) verlängert.. Der ganze Stapel steht in einer flachen grauen Eurobox. So gibt es keine Kleckserei auf dem Boden und es lässt sich leichter kontrollieren, ob sich Ameisen am Wabenlager zu schaffen machen.
Abb. 6: Schemazeichnung des gesamten Aufbaus für die Wabenbelüftung wie in Abb. 5. Es bedeuten:
(1) Lüftermodul (PC-Lüfter mit 3D-Druck Adapterteilen, Insektenschutzgitter)
(2) Deckel (Bienenflucht)
(3) Aussparung für den Luftstrom
(4) Zarge (hier: eine von drei Zargen)
(5) Luftstrom, von unten nach oben
(6) Rahmen
(7) Loch in Rahmen für Luftstrom mit Insektenschutzgitter
3D-Druck-Teile für Honigwaben solar belüften
Die STL-Dateien für den 3D-Druck werden hier – als ZIP-Archiv gepackt – für die ausschließlich private Nutzung zur Verfügung gestellt. https://cbrell.de/blog/wp-content/uploads/STL/Wabenvorrat-Beluefter-Adapterteile-261017.zip
Wer keinen Zugang zu einem 3D-Drucker hat, kann im Einzelfall die 3D-Druck-Teile von mir privat für 29€ bekommen (Mail an brell @ web . de mit Betreff „Wabenlüfterteile willich haben“).
Erste Erfahrungen im Betrieb
Direkt nach Inbetriebnahme erfüllte ein Honigwaben-Duft mein Gartenhaus, das als Imkergeräte-Lager dient. Der Duft lockte Vespa velutina an, die ich dann aus dem Gartenhaus scheuchen musste.
Das Solarpanel liegt auf dem sanft geneigten Dach des Gartenhäuschens mit Ausrichtung nach West-Nordwest. Am 19.10.2026 morgens um 9:30 – bei bedecktem Himmel – war der Lüfter schon zuverlässig angelaufen.
Anhang
Quellen
Weiterlesen:
Wabenpflege bei der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau: https://www.lwg.bayern.de/mam/cms06/bienen/dateien/wabenpflege.pdf
Übersicht über Blogartikel zum Imkern in Mini Plus: Erlebnisorientiert Imkern im Mini Plus Beutensystem
Material:
Lüfter: Arctic Cooling P12 Silent, ca 7 €, bei Amazon
Solarpanel: Waveshare 6V 5W, ca 12 €, bei Berrybase
Glossar
Wachsmotte
Die Wachsmotte (auch Bienenmotte) ist ein Nachtfalter aus der Familie der Zünsler (Pyralidae), deren Larven als synanthrope Schädlinge in Bienenvölkern sowie in gelagerten Bienenwaben auftreten.
Es sind zwei Arten für die Imkerpraxis von Bedeutung:
• Große Wachsmotte (Galleria mellonella): Spannweite bis zu 40 mm, aschgraue bis bräunliche Färbung.
• Kleine Wachsmotte (Achroia grisella): Spannweite bis zu 23 mm, meist einfarbig mausgrau mit gelblichem Kopf.
Biologie und Lebensweise
Die adulten Falter besitzen verkümmerte Mundwerkzeuge, nehmen keine Nahrung auf und haben eine Lebensdauer von wenigen Wochen. Ihre Aktivität ist primär nachtaktiv.
Die Eiablage erfolgt in Ritzen von Bienenstöcken oder Wabenlagern. Die schlüpfenden Larven (Raupen) ernähren sich von Wachs, Kokonresten der Bienenpuppen, Pollen und Häutungsresten. Um sich vor Abwehrreaktionen der Honigbienen (Apis mellifera) zu schützen, fressen sich die Larven Gänge durch die Mittelwände der Waben und spinnen diese mit einem reißfesten, seidigen Gespinst aus. Die Verpuppung erfolgt in Kokons, oft in Vertiefungen, die die Larven in die Bienenbeuten oder Rähmchen fressen.
Schaden:
• Im Bienenvolk: Gesunde, starke Bienenvölker kontrollieren den Befall eigenständig. Bei schwachen oder weisellosen Völkern können die Larven das gesamte Wabenwerk zerstören (sog. Wabenfraß), was zum Absterben oder Verlassen der Beute durch das Volk führen kann.
• Im Wabenlager: In unbeaufsichtigten, warmen Wabenlagern kann Massenbefall innerhalb kurzer Zeit zur vollständigen Zerstörung des gelagerten Wabenmaterials führen
Bekämpfung und Prävention
Der Befall wird vor allem durch prophylaktische Maßnahmen minimiert: Kühle (unter 9 °C), helle und gut belüftete Lagerung von Waben (Zugluft hemmt die Larvenentwicklung). Thermische Behandlung durch Einfrieren schadet allen Entwicklungsstadien.
Chemische Mittel oder Medikamente sind nicht zugelassen.
Dank
Ich danke den Imkerkolleginnen und -kollegen in den Vereinen Imkerverein Viersen Stadt (80 Mitglieder) und Imkerverein Krefeld (130 Mitglieder) für die stete Diskussionsbereitschaft und konstruktive Kritik.
Autor
Prof. Dr. Claus Brell
Bienensachverständiger NRW
Wespen- und Hornissenberater
Obmann für neue imkerliche Betriebsweisen im Imker-Kreisverband Viersen Krefeld
abgeschlossene Bienen-Projekte: Biene40,Steel4Bees, AI4Bee
CC BY 
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