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Schützt Bildung vor Demenz? Ergebnisse eine Studie in 2019

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Frühere Studien deuten darauf hin, dass ein höheres Bildungsniveau bis zu einem gewissen Grad vor Demenz schützen kann. Erklärungsansatz ist eine „kognitive Reserve“, die gegen die Krankheit schützt. Eine neuere Studie (Rush 2019, Leitung Robert S. Wilson, PhD, Rush Alzheimer’s Disease Center – RADC) ergab nun, dass Bildung keine Rolle spielt, wann eine Demenz beginnt oder wie schnell sie fortschreitet.

Methodik der Studie

Die Studie verglich 2.899 Teilnehmer mit unterschiedlichem formalen Bildungsniveau.
Für die Studie analysierten die Forscher Informationen aus zwei Langzeitstudien, die vom RADC durchgeführt wurden – der Religious Orders Study, an der ältere katholische Geistliche aus den gesamten Vereinigten Staaten beteiligt sind, und dem Rush Memory and Aging Project, an dem ältere Erwachsene aus dem Großraum Chicago beteiligt sind. Die Teilnehmer beider Studien nehmen an jährlichen Evaluationen teil und verpflichten sich, nach dem Tode ihr Gehirn für Untersuchungen zur Verfügung zu stellen..

Die Teilnehmer waren zu Beginn der Studie durchschnittlich 78 Jahre alt und hatten im Schnitt 16,3 Jahre Ausbildung hinter sich. Die Teilnehmer wurden durchschnittlich acht Jahre lang begleitet. Insgesamt 696 Teilnehmer entwickelten während der Studie eine Demenz, und 752 starben im Laufe der Studie, davon 405 mit einer Demenz. Die Gehirne der Verstorbenen wurden autopsiert.

Die Forscher teilten die Teilnehmer in drei Gruppen mit Bildungsniveau ein, 12 Jahre oder weniger, 13 bis 16 Jahre und 17 oder mehr Jahre. Um zu beurteilen, ob Bildung Schutz vor Demenz bietet, verglichen sie den Beginn und den Verlauf der Demenz in diesen Gruppen, wie die jährlichen Bewertungen und die Entwicklung der Demenz-Pathologie bei Untersuchungen des Gehirns der verstorbenen Teilnehmer zeigen.

Erste Ergebnisse

Mentale Aktivität im späteren Leben kann für die Prävention von Demenz wichtiger sein als die frühzeitige Schulbildung. Die Forscher fanden zu Beginn des Studiums, Jahrzehnte nach Beendigung der formalen Ausbildung, einen Zusammenhang zwischen einem höheren Bildungsniveau und höheren Denk- und Gedächtnisfähigkeiten. Sie fanden jedoch keinen Zusammenhang zwischen Hochschulbildung und langsamerem kognitiven Rückgang. Der Bildungsstand stand auch in keinem Zusammenhang damit, in welchem Alter die Krankheit einsetzt.

Die Ergebnisse früherer Studien, die zeigten, dass sich der kognitive Rückgang, sobald er bei besser ausgebildeten Menschen einsetzte, schneller beschleunigte als bei Menschen mit weniger Bildung, konnten nicht betätigt werden. Das Forschungsergebnis repliziert auch nicht frühere Ergebnisse, dass Menschen mit einem hohen Anteil an Alzheimer-Krankheitsmarkern im Gehirn, die ein hohes Bildungsniveau hatten, nicht so schnell zurückgingen wie Menschen mit einem gleichen Anteil an Krankheitsmarkern im Gehirn, die ein niedrigeres Bildungsniveau hatten.

„Diese Feststellung, dass Bildung anscheinend wenig zur kognitiven Reserve beiträgt, ist überraschend, da Bildung das kognitive Wachstum und Veränderungen der Gehirnstruktur beeinflusst“, sagte Forschungsleiter Wilson. „Aber die formale Bildung endet in der Regel Jahrzehnte vor Beginn des Alters, so dass Spätlebensaktivitäten, die Denk- und Gedächtnisfähigkeiten wie das Erlernen einer anderen Sprache oder andere Erfahrungen wie soziale Aktivitäten, kognitiv anspruchsvolle Arbeit und einen Sinn im Leben beinhalten, auch eine Rolle in der kognitiven Reserve spielen können, die wichtiger sein kann als entfernte Erfahrungen wie die Schulbildung“.

Die Studie hat allerdings eine Schwäche in Form eines Selection-Bias: Die Teilnehmer hatten alle ein relativ hohes Bildungsniveau , so dass es möglich ist, dass Effekte, die zuvor auf die kognitive Reserve aufgrund von Bildung gesehen wurden, in erster Linie durch Variationen am unteren Ende des Bildungsniveauspektrums verursacht wurden.

Fazit

Es sind noch weitere Forschungen nötig, um letztendlich Handlungsempfehlungen für die Prävention von Alzheimer-Erkrankung geben zu können. Es scheint, dass es möglich ist, durch spätes Training die Symptome zu mildern, ein „Geheimrezept“ wurde bis heute noch nicht gefunden.

Vor diesem Hintergrund gewinnt „lebenslanges Lernen“ eine Bedeutung über die Befähigung zur Teilhabe am Arbeitsmarkt hinaus. Welchen Anteil spielerische Elemente haben können (Gamification, Effekte von Comuterspielen im Alter) ist ebenfalls offen.

Quellen

Rush University Medical Center (2019) Education May Not Protect Against Dementia as Previously Thought. Chicago. Online Ressource, abgerufen 11.02.2019: https://www.rushu.rush.edu/news/education-may-not-protect-against-dementia-previously-thought
(Die Ergebnisse der Studie wurden am 06.02.2019 in der Online-Ausgabe der Neurology, der medizinischen Zeitschrift der American Academy of Neurology, veröffentlicht)