Honigbienen mit Eiweiß füttern – pro und contra

Brauchen Honigbienen einen Unterstützung mit zusätzlichen Proteinen? Soll man Honigbienen mit Eiweiß füttern? Einige Autoren empfehlen das, die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln sowieso. Andere bescheinigen Wirkungslosigkeit. Hier sollen ein paar Quellen und Aussagen zusammengestellt werden.

Ersterstellung 20.04.2026, wird fortgesetzt

Wofür benötigen Honigbienen Eiweiß (Protein)?

Honigbienen benötigen am Makronährstoffe Kohlenhydrate und Proteine (Eiweiß, Aminosäuren). Kohlenhydrate liefern die Energie für Bewegung und Stoffwechselvorgänge. Kohlenhydrate sind quasi der Treibstoff für die Bienen. Proteine benötigen die Bienen und insbesondere Bienenlarven, um körpereigene Substanzen aufzubauen. Larven benötigen Proteine zum Wachtum und für den Körperumbau in der Metamorphose. Bienen benötigen Proteine, um z.B. Futtersaft und Gelee Royal herzustellen und einen Eiweiß-Fett-Körper aufzubauen.

Eine ausreichende Proteinversorgung ist für Honigbienen essentiell. Ohne ausreichende Proteinversorgung sind Honigbienen mangelernährt. Proteinmangel kann auch zu Brutkannibalismus führen.

Warum brauchen Bienen Protein?

Protein ist für Bienen kein Energielieferant, sondern ein Strukturbaustoff. Es wird benötigt für:

  • Die Aufzucht der Brut: Larven benötigen in den ersten Tagen riesige Mengen an Futtersaft (Royal Jelly), der von den Ammenbienen in ihren Schlunddrüsen produziert wird. Diese Drüsen funktionieren nur, wenn die Ammenbiene selbst genug Protein frisst.

  • Körperentwicklung: Jungbienen müssen nach dem Schlüpfen erst ihre inneren Organe und Muskeln vollständig ausbilden.

  • Das Immunsystem: Proteine sind essenziell für die Bildung von Abwehrzellen.

  • Langlebigkeit (Winterbienen): Ein entscheidender Faktor für das Überwintern ist das sogenannte Vitellogenin, ein Speicherprotein.

Folgen von Proteinmangel

Wenn im Frühjahr oder während einer Trachtlücke der Pollen fehlt, kann das folgende Effekte haben:

  1. Kannibalismus: Die Bienen fressen einen Teil der Larven, um die darin enthaltenen Proteine zu recyclen.

  2. Langlebigkeit sinkt: Die Bienen altern schneller und sind anfälliger für Krankheiten.

  3. Mangelhafte Winterbienen: Wenn im Spätsommer zu wenig Pollen vorhanden ist, gehen die Bienen mit zu geringen Eiweißreserven (Eiweiß-Fett-Körper) in den Winter – das Risiko für einen Winterverlust steigt.

Woher bekommen Honigbienen Eiweiß (Protein)?

Der Proteinlieferant für Honigbienen ist Blüten-Pollen. In der Regel gibt es davon zur Trachtzeit genug, so dass die Bienen auch ein kleines Polenlager in Form von Bienenbrot anlegen können.

Woran kann Pollenmangel liegen?

Pollenmangel kann auftreten, wenn es in der Nähe des Bienenstandes Zeiten ohne blühende Pflanzen gibt. Oder wenn die Bienen nicht ausreichend Personal zum Pollensammeln und auch keine Pollenvorräte haben. Das kann bei schwach gebildeten Ablegern passieren, denen man keine Wabe mit Bienenbrot, also von den Bienen eingelagerten Pollen, gegeben hat.

Was sagen Studien zur Eiweiß-Zufütterung?

Das Beste für Bienen ist Pollen

Die Fütterung von Honigbienenvölkern mit Pollen trug  zur Aufrechterhaltung des molekularen Gleichgewichts und der hochmolekularen Proteine ​​im Gelée Royale bei. Die Pollenfütterung führte außerdem zu einer erhöhten SV-Produktion. (Zakaria et. al. 2025)

Eiweiß-Zusätze (außer Pollen) können schädlich sein

Sojabohnen zeigten schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit des Darmgewebes, indem sie zu einer Atrophie der Epithelzellen und einer Schwächung der Magenmuskulatur führten. Zusätzlich wurde eine Abnahme der sekretorischen Vesikel (SV) und der Gelatineschicht (GL) im Darm festgestellt. Die Fütterung von Honigbienen mit einer Mischung aus Sojabohnen und Pollen katastrophale Auswirkungen sowohl auf das Darmgewebe als auch auf die Proteine ​​im Gelée Royale. Sie führte außerdem zu einer Koagulation der peritrophischen Membran (PMb), die für den Schutz der Darmwände und andere physiologische Funktionen unerlässlich ist. Dies wiederum beeinträchtigte die Proteinabsorption sowie die Konzentrationen von SV und GL. (Zakaria et. al. 2025)

Was sagen „Influencer“?

Hans Jörg Schreier (Saarlandimker, 2026) hat mit einer Eiweißergänzungsfütterung gute Erfahrungen gemacht.

Produkte

Aufgrund der etwas unübersichtlichen Studienlage ist die folgende Auflistung (Achtung, im Aufbau) keine Empfehlung, aber auch keine Gegenempfehlung. Sie soll dem Einzelnen lediglich als Start für eigene Recherchen und zur eigenen Entscheidungsfindung dienen.

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Anhang

Quellen und Links

Schreyer, Hans Jörg (2026) Imkern trotz Velutina. Vortrag

Zakaria, M. E., Abd El-Wahed, A. A., Ghazala, N. E., & Ghazy, M. G. (2025). Exploring the impact of protein diets on the honey bee (Apis mellifera L): a study on intestinal tissue health and royal jelly protein level. Journal of Apicultural Research, 64(4), 1252–1260. https://doi.org/10.1080/00218839.2024.2374478

Dieser Beitrag ist Teil der Serie „Erlebnisorientiert Imkern in Mini Plus“. Hier geht es zu einer Übersicht der Artikel.

Glossar

Protein

Pollen für Honigbienen

Für Honigbienen ist Pollen die einzige relevante natürliche Proteinquelle. Er enthält neben Eiweiß (ca. 10–40 %) auch Fette, Mineralstoffe und Vitamine.

  • Pollenhöschen: Die Sammelbienen tragen den Pollen in den Stock.

  • Bienenbrot (Perga): Durch die Fermentierung mit Enzymen und Milchsäurebakterien wird der Pollen haltbar und für die Bienen verdaulich gemacht.

Aminosäuren: Die Grundbausteine der Proteine

Jedes Protein besteht aus einer Kette von Aminosäuren. Chemisch gesehen besitzen alle Aminosäuren eine ähnliche Grundstruktur: Eine Aminogruppe (), eine Carboxylgruppe () und einen variablen Rest (), der die spezifischen Eigenschaften der Aminosäure bestimmt.

Die allgemeine chemische Formel lautet:

Die Peptidbindung – Ketten von Aminosäuren

Die einzelnen Aminosäuren verbinden sich durch Peptidbindungen. Dabei reagiert die Carboxylgruppe einer Aminosäure mit der Aminogruppe der nächsten unter Abspaltung von Wasser ().

  • Dipeptid: 2 Aminosäuren

  • Polypeptid: viele Aminosäuren

  • Protein: Ab einer Kette von ca. 50 bis 100 Aminosäuren spricht man von einem Protein.

Ein Protein ikann in verschiedenen Strukturformen vorkommen.  Man unterscheidet:

  1. Primärstruktur: Die exakte Abfolge (Sequenz) der Aminosäuren.

  2. Sekundärstruktur: Räumliche Muster wie Spiralen (Alpha-Helix) oder Faltblätter.

  3. Tertiärstruktur: Die vollständige dreidimensionale Knäuelung.

  4. Quartärstruktur: Mehrere Proteinketten schließen sich zu einem funktionellen Komplex zusammen (z. B. Hämoglobin oder bei Bienen das Vitellogenin). Dabei ist Vitellogenin (von lateinisch vitellum, „Dotter, Eidotter“)  Proteine, die von Tieren als Vorläufer für Lipoproteine und Phosphoproteine produziert werden. In eierlegenden Wirbellosen (und auch  Wirbeltieren) wird das sezernierte Vitellogenin durch Endozytose in die Eizellen eingebracht und mithilfe von Cathepsin D gespalten; die Teilproteine dienen als Reservestoffe für Lipide (Lipovitin) und Phosphat (Phosvitin)

Die wichtigen zehn Aminosäuren für Honigbienen

Bienen können viele Aminosäuren durch Umbauprozesse selbst herstellen. Es gibt jedoch 10 essentielle Aminosäuren, die zwingend im Pollen enthalten sein müssen, da die Biene sie nicht selbst synthetisieren kann:

  • Leucin, Isoleucin, Valin (Wichtig für den Muskelaufbau)

  • Lysin, Methionin, Phenylalanin

  • Threonin, Tryptophan, Histidin, Arginin

Fehlt auch nur eine dieser Säuren im Pollenangebot („Minimumgesetz“), kann das Volk die aufgenommenen Proteine nicht effizient verwerten.

 

 

Prof. Dr. Claus Brell

Bienensachverständiger NRW

Wespen- und Hornissenberater

Obmann für neue imkerliche Betriebsweisen im Kreisverband Viersen

abgeschlossene Projekte:  Biene40,Steel4Bees

CC BY 
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