Archiv des Autors: Claus Brell

picam – Einfaches System für den ersten Test einer webbasierten Raspberry-Pi-Kamera (naturwatch.lite)

Zusammenfassung. Für die Anwendungsszenarien „Autarke Beobachtung von Höhlenbrütern“ und „Beobachtung des Fluglochs von Honigbienen“ (Forschungsvorhaben #biene40) sind neben dem mechanischen Aufbau (Nistkasten, wettersicherer Aufbau mit Raspberry Pi ..) auch Computerprogramme in mehreren Programmiersprachen zu programmieren. Um mit einem ersten Test sofort starten zu können, wird hier ein radikal einfaches System vorgestellt, das jeder einer halben Stunde programmieren kann. Das System nimmt ein Bild auf und lädt es auf einen Webserver. Es besteht aus einem einfachen Python-Skript auf dem Raspberry Pi, einem einfachen in PHP geschriebenem Webservice auf dem Webserver und einer minimalistischen HMTL-Seite zur Anzeige des hochgeladenen Bildes.

Anwendungsfälle (Use Case Diagramm).  Abb. 1 zeigt, was ein menschlicher Nutzer und ein als Bilderlieferant dienender Kleinrechner Raspberry Pi mit dem webbasierten Teil des Systems tun können.

Abb 1: Use Case Diagramm

Topologie (Netzwerkstruktur). Abb. 2 zeigt die Vernetzung der Geräte und der Computerprogramme. Das Gesamtsystem besteht aus:

  1. Einem Webserver. Die einzige Anforderung ist, dass der Webserver PHP unterstützt. Fast alle Providern leisten das heutzutage.
  2. Einem Raspberry Pi mit Kamera. Für den Start ist ein Raspberry Pi Zero W kostengünstig.
  3. Einem Nutzer mit Computer oder Smartphone, der die HTML-Seite aufrufen kann.
  4. Einem Python Skript „picam.py“, das auf dem Raspberry Pi läuft, ein Bild aufnimmt und über die bestehende Netzverbindung an den Webservice „picamWS.php“ überträgt.
  5. Ein PHP Skript „picamWS.php“, das auf dem Webserver läuft und ein Bild entgegennimmt und unter dem Namen „picam.jpg“ auf dem Webserver speichert.
  6. Eine HTML-Seite „picam.html“ (smartphone-geeignet), die das Bild im Browser anzeigt.

Abb. 2: Netzwerktopologie

picam.py – Bilder aufnehmen und hochladen. Das Script picam.py (netto 16 Zeilen Quelltext) kann mit einem Texteditor, z.B. nano, direkt auf dem Raspberry Pi mit der Befehlsfolge „nano picam.py“erstellt werden. Nach dem Speichern mit der Tastenkombination „ctrl+o“  wird das Script noch ausführbar gemacht mit „chmod 777 picam.py“. Das Script lässt sich dann mit „./picam.py“ aufrufen und zeigt, wenn alles richtig eingerichtet ist, die folgende Ausgabe:

pi@naturwatch02:~ $ ./picam.py
<Response [200]>
picam.jpg hochgeladen.
pi@naturwatch02:~ $

Das Script arbeitet „ohne Netz und doppelten Boden“. Der Quelltext ist in Listing 1 dargestellt und kann gleich in den Editor übernommen werden. Es ist im Script eine Programmzeile zu ändern: An der Stelle, an die URL spezifiziert wird, ist anstelle von „meinServerUndVerzeichnis“ der eigene Server und das Verzeichnis, in dem Webservice, Bild und HTML-Seite liegen sollen, anzugeben.

Zunächst werden die benötigten Bibliotheken importiert: „picamera“, um direkt Bilder aus Python aufnehmen zu können,  „sleep“ aus der Bibliothek „time“ für eine Pause für die Kamera und „requests“ für den http-Zugriff auf den Webserver.

Die spannenden Zeilen im Skript sind:

camera.capture(localpicname)

Mit dem Statement wird das Bild aufgenommen und unter localpicname gespeichert.

url = 'http://meinServerUndVerzeichnis/picamWS.php'

files = {'file': open(localpicname, 'rb')}

r = requests.post(url, files=files)

Mit den Statements werden in der Variablen „url“ der Standort des Webservice angegeben, in „files“ das Bild als Datei zum Übertragen festgelegt,  mit „requests“ der Webservice aufgerufen und das Bild hochgeladen. In der Variablen „r“ wird u.a. der Statuscode und die Antwort des Webservice gespeichert.

#!/usr/bin/python
# picam.py
# vereinfachte Version fuer naturwatch.lite
# Claus Brell 17.11.2018
import picamera
from time import sleep
import requests
# Voreinstellungen Bildgroesse:
WIDTH=320
HEIGHT=240
# Kamera initialisieren:
camera = picamera.PiCamera()
camera.resolution = (WIDTH,HEIGHT)
# Dateiname fuer Bild:
localpicname = 'picam.jpg'
# 2 Sek. Pause, damit Kamera alles einstellen kann:
sleep (2)
# Ein Bild aufnehmen:
camera.capture(localpicname)
camera.close()
# Ein Bild auf den Webspace hochladen:
# Webservice Aufruf URL festlegen:
url = 'http://meinServerUndVerzeichnis//picamWS.php'
files = {'file': open(localpicname, 'rb')}
r = requests.post(url, files=files)
# Zur Kontrolle Rueckgabe ausgeben
print(r)
print(r.text)

Listing 1: picam.py, Skript für das Aufnehmen eines Bildes und Hochladen auf den Webserver.

picamWS.php – Bild entgegennehmen und speichern. Der Webservice picamWS.php (netto 3 Zeilen Quelltext) kann mit einem einfachen Texteditor (Notepadd++ unter Windows oder Sublime Text unter MacOS oder Linux) erstellt und dann mit FTP auf den eigenen Webserver hochgeladen werden. Listing 2 zeigt das Skript, es sind keine Prüfungen oder Fehlerbehandlungen eingebaut, um das Script möglichst einfach und kurz zu halten. Die spannende Zeile ist:

if (move_uploaded_file($_FILES['file']['tmp_name'], $target_file)) {
    echo basename( $_FILES['file']['name']). " hochgeladen.";}

Es wird überprüft, ob das Kopieren des hochgeladenen Bildes in dasDateisystem des Webservers funktioniert hat, Wenn das der Fall ist, gibt es eine Bestätigung. Das Bild wird im selben Verzeichnis, in dem sich der Webservice befindet abgelegt.

<?php
// picamWS.php
// Webservice für picam.py
// nimmt Bild entgegen und speichert es auf dem Server
// naturwatch.lite
// Claus Brell 17.11.2018
// Ziel-Name, unter dem das Bild abgelegt wird:
$target_file=$mandant.'picam.jpg'; 
// Bild hochladen und uner Ziel-Name ablegen,
// wenn erfolgreicht, Meldung zurückgeben: 
if (move_uploaded_file($_FILES['file']['tmp_name'], $target_file)) {
echo basename( $_FILES['file']['name']). " hochgeladen.";
}
else echo "Fehler";
?>

Listing 2: picamWS.php – Webservice, der ein Bild entgegennimmt

picam.html – Anzeigeseite. Eine einfache HTML-Seite, die i.w. aus einem img-Tag besteht, das Bild aus dem gleichem Verzeichnis lädt und anzeigt. Die Meta-Statements sorgen dafür, dass die Anzeige auch auf einem Smartphone funktioniert.

<html>
<head>
<meta name="viewport" content="width=device-width, initial-scale=1">
<meta name="language" content="de-DE">
<meta http-equiv="Content-type" content="text/html;charset=utf-8">
<meta name="mobile-web-app-capable" content="yes">
</head>
<body>
picam Bildanzeige
<br><br>
<img src="picam.jpg">
</body>
</html>

Listing 3: picam.html – Anzeigeseite für das hochgeladene Bild

Was noch fehlt … Für eine gelungene Naturbeobachtung wäre ein Automatismus wünschenswert. Dazu kann das Python-Script einfach über CRON, z.B. jede Minute, aufgerufen werden. Dann fehlt jedoch ein ebenfalls automatisches Nachladen des Bildes in der HTML-Seite. Das ließe sich über Javascript realisieren. Möchte man kein Bild verpassen, also sollten die Bilder gespeichert werden und auch die Historie sollte einsehbar sein. Allerdings werden Webservice und Anzeigeseite dadurch sehr viel komplizierter. Wie das gehen kann, ist in einem Artikel in der Raspberry Pi Geek dargestellt (Brell 2017).

Quellen:

Brell, Claus (2017) Meisencam – Nistkästen mit der Pi-Cam ins Internet bringen. in: Raspberry Pi Geek 10 / 2017

Zeitungsartikel Rheinische Post Krefeld vom 14.03.2017:
„Auf den Spuren von Heinz Sielmann …“

Pressemitteilung der Hochschule Niederrhein vom 10.03.2017:
https://www.hs-niederrhein.de/news/news-detailseite/wirtschaftsinformatik-studierende-entwickeln-interaktiven-meisenkasten-16506/.

Tweets zum Forschungsvorhaben #biene40 – Naturschutz, Digitalisierung und Wirtschaft verbinden: https://twitter.com/hashtag/biene40

Lichtkartierung gegen das Insektensterben

Ausgangslage. Nachts fliegende Insekten, die sich am schwachen Licht der Gestirne orientieren, werden von künstlichen Lichtquellen angezogen und in ihrer Orientierung gestört. Ebenso wirken künstliche Lichtfallen oft als Fallen [1]. Pro Straßenlampe in einer Nacht können etwa 150 Insekten sterben [2]. Ob Insekten die Quellen überhaupt wahrnehmen, hängt allerdings auch von der spektralen Zusammensetzung des Lichts ab [3,4].

Lichtkartierung als vorbereitende Maßnahme. Um gezielt wirksame Maßnahmen (andere Lichtquellen, temporäre Abschaltung u.v.m.) gegen die Lichtverschmutzung einleiten zu können, ware es sinnvoll, die regionalen „Hotspots“ der Lichtemission unter Berücksichtigung der spektralen Verteilung zu kennen. Dies kann im Sinne einer Vorlaufforschung erfolgen, in der die regionale Lichtemission durch die Beteiligung einer großen Menge von Menschen kartiert und über das Internet bekannt gemacht wird.

Methode. Das Institut GEMIT der Hochschule Niederrhein hat im Rahmen eines EFRE-geförderten Logistik-Projektes hierzu das sogenannte Gladbacher Crowd Solving Konzept [5,6] entwickelt, das leicht auf die Themenstellung Lichtemission adaptiert werden kann. Um viele Menschen an der Kartierung zu beteiligen, wäre die Entwicklung einer eine Lichtmess-App für Android und iOS, die die gemessenen Lichtdaten mit einer Zeit- und Georeferenzierung an eine internetgestützte Datendrehscheibe sendet, sinnvoll.

Konzept für eine Lichtmess-App. Es soll eine App entwickelt und kostenfrei bereitgestellt werden, die es Menschen ermöglicht, an jedem Ort die Umgebungslichtstärke zu erfassen. Dabei ist aus Sicht des Nutzers / der Nutzerin der App folgender Ablauf vorgesehen:

  1. Der Nutzer / die Nutzerin startet die App und wird aufgefordert, sich mit seinem Smartphone nach Norden auszurichten. Die App zeigt die richtige Ausrichtung an.
  2. Der Nutzer / die Nutzerin wird aufgefordert, das Smartphone senkrecht vor sich zu halten.
  3. Der Nutzer wird aufgefordert, sein einmal langsam rechtsherum einmal ganz um seine eigene Körperachse zu drehen. Dabei nimmt die App kontinuierlich Bilder mit der Frontkamera auf und wertet einen schmalen Streifen hinsichtlich spektraler Verteilung und Lichtstärke aus. Zugleich wird als Referenz ein Gesamtbeleuchtungswert ermittelt.
  4. Nach Abschluss der Drehung wird ein Datensatz mit 8 Werten für die richtungs- und spektralbezogene Belichtungsstärke, sowie ein Beleuchtungsreferenzgesamtwert inkl. Geokoordinaten an einen Webservice übertragen.
  5. Der Nutzer / die Nutzerin erhält sofort eine Rückmeldung über die erfolgte Messung

Es werden Gamification Elemente an die Nutzung der App gekoppelt, um schnell eine hohe Nutzungsfrequenz zu erhalten. Vorgesehene Game-Design-Elemente sind „Epic Meaning“, „sofortiges Feedback“, „Comunity-Building“ und ein niederschwelliger Punkte/Erfolge-Mechanismus. Über die Informationsdrehscheibe kann via Browser jederzeit der aktuelle Kartierungsstand in Form einer „Licht-Heatmap“ eingesehen werden.

Ein detaillierteres Konzept wäre im Rahmen eines Forschungsprojektes zur entwerfen.

Outcome. Es ist (a) zu erwarten, dass allein durch die öffentliche Kartierung die Stakeholder in Folge bemüht sein werden, die aufgedeckten Lichtemissionen selbsttätig zu reduzieren. Weiterhin können (b) nach einer Kartierung Maßnahmen mit öffentlicher Unterstützung dort angestoßen werden, wo ein großer Bedarf sprich großer nächtlicher Lichtanfall zu beobachten ist.

Die Lichtkartierung gegen das Insektensterben ist ein Baustein im Vorhaben #biene40 [7]

Quellen:

[1] Bericht des Bundes über Kenntnisstand, aktuelle Forschungen und Untersuchungen zum Insektensterben sowie dessen Ursachen für die 90. Umweltministerkonferenz vom 6.-8. Juni 2018 in Bremen, online unter https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Artenschutz/bericht_insektensterben_bf.pdf

[2] Kobler, R.L. (2002): Die Lichtverschmutzung in der Schweiz. Mögliche Auswirkungen und praktische Lösungsansätze. Diplomarbeit FHHB, online unter http://www.ens.ch/ens/sternwarte/lichtverschmutzung/presseberichte/rlkobler_dipl.pdf

[3] Cleve, K. (1967): Das spektrale Wahrnehmungsvermögen nachts fliegender Schmetterlinge. Nachrichtenblatt der Bayerischen Entomologen, 16, S. 33-35.

[4] Menzel, R. (1979): Spectral sensitivity and colour vision in invertebrates. In: Autrum, H. (Hrsg.): Handbook of Sensory Physiology. Vol. VII/6A. Berlin, Heidelberg, New York, S. 503-580.

[5] Gladbacher Crowd Solving Konzept auf der logistiCS-Projektseite, Online Ressource: http://logistics.traffgoroad.com/index.php/2018/06/13/13-06-2018-das-gladbacher-crowd-solving-konzept-erklaert/

[6] Gladbacher Crowd Solving Konzept und Gamification im Wissensmanagement-Blog: https://cbrell.de/blog/gladbacher-crowd-solving-konzept/

[7] Ideen zum Vorhaben #biene40 auf Twitter: https://twitter.com/hashtag/biene40

[8] Anlockstudie Tirol, Online Ressource: http://www.hellenot.org/fileadmin/user_upload/PDF/WeiterInfos/10_AnlockwirkungInsektenFeldstudie_TLMFundLUA.pdf

Weniger Varroa – warum Bienen in kleinen Beuten resilienter gegen Milben sind

Zusammenfassung: Eine Untersuchung aus 2016 deutet darauf hin, dass bei der Bienenhaltung dem Befall mit Varroa nicht nur mit den in Deutschland üblichen Behandlungsmethoden, sondern auch durch die Wahl der Unterbringung in kleineren Beuten und dem Aussetzen der Schwarmbehandlung begegnet werden kann.

Ausgangslage: Die ektoparasitäre Milbe Varroa destructor (im folgenden kurz Varroa, siehe Abb. 1) vernichtet viele Völker  der europäischen Honigbiene Apis mellifera:

  1. In Europa und Nordamerika haben sich nach der Ankunft von Varroa in den 1970er und 1980er Jahren die Völkerverluste fast verdreifacht (Ellis et. al. 2010). J
  2. ährliche Verluste von über 20% der Völker wurden im US-amerikanischem Raum  um 2007 als gegeben betrachtet, wobei auch einige Imker jährliche Verluste von bis zu 90% verzeichneten (van Engelsdorp et. al. 2008).
Tote Varroamilben im Gemüll auf einem gerasterten Holzbrett als Windel, Aufnahme 26.11.2018

Abb. 1: Tote Varroamilben im Gemüll auf einem gerasterten Holzbrett als Windel, Aufnahme 26.11.2018

Lediglich Australien und einige isolierte Standorte und Inseln sind bislang noch varroafrei (Rosenkranz et al. 2010). Ursprünglich hatte sich Varroa auf die asiatische Biene angepasst. Varroa vermehrt sich bei den asiatischen Bienenarten nur über die Drohnenlarven. Wenn Arbeiterinnenlarven infiziert sind, werden sie durch das Hygieneverhalten der asiatischen Bienen beseitigt (Peng et al. 1987). Bei europäischen Bienenarten hingegen kann sich Varroa auch in Arbeiterbrutzellen  vermehren (Boot et al. 1999), da europäische Bienen das Hygieneverhalten deutlich weniger ausgeprägt zeigen (Fries et al. 1996) . Konsens auch in Deutschland ist: Bienenvölker können hier nur überleben, wenn Imker die Bienen behandeln (Boecking & Genersch 2008). Dem entgegen stehen Beobachtungen von Populationen von in freier Wildbahn lebenden europäischen Honigbienen, die den Varroabefall überleben ohne Varroabehandlung, so in

  1. Brasilien (de Jong & Soares 1997),
  2. Russland (Rinderer et.al. 2001),
  3. Schweden (Fries et. al. 2006), i
  4. Frankreich (Le Conte et. al. 2007) und in den
  5. Vereinigten Staaten (Seeley 2007).

Das ist interessant, da  die in Deutschland übliche Behandlung mit Ameisensäure, Oxalsäure oder Mitteln wie Bayvarol nicht unkritisch ist. Die Behandlung stellt eine Belastung für die Bienen dar oder erzeugt Resistenzen bei Varroa gegen die Behandlungsmethode. Daher werden immer wieder neue und alternative Ansätze gesucht, der Varroa Herr zu werden bei minimalen Eingriffen in das Bienenvolk. Dazu ist auch solche Forschung erforderlich, die auch die vorherrschenden Paradigmen in Frage stellt.

Loftus et. al. stellten solche Untersuchungen an der renomierten  Cornell University mit Campus in Ithaca, New York (USA) an.  Wie die Harvard University, die Yale University und die Princeton University gehört die Cornell University zu den der acht Universitäten der Ivy League. Eine Übersicht über mehrere Studien von Locke an der Schwedischen Universität für Landwirtschaftswissenschaften in Uppsala kommt zu ähnlichen Befunden, dass sich natürliche varroaresistente Populationen durch eine geringere Individuenzahl und durch eine höheres Hygieneverhalten auszeichnen (Locke 2016).

Forschungsergebnisse: Eine Untersuchung von Loftus et al. aus 2016 deutet darauf hin, dass einen von der in deutschlang gängigen Haltungsweise abweichende Unterbringung der Bienen dazu führen kann, den befall mit Varroa ohne Behandlung zu senken. Im Wesentlichen kommen Loftus et al. kommen zum Schluss, dass zwei Maßnahmen die Befallsrate mindern:

  1. Haltung in kleineren Beuten vgl. Abb. 2.
  2. Reduzierung der Schwarmkontrolle und -steuerung.
Beispiel für eine kleinere Beutenform - die MiniPlus in Holz, Styropor oder Polyurethan.

Abb. 2: Beispiel für eine kleinere Beutenform – die MiniPlus in Holz, Styropor oder Polyurethan, Aufnahme 01.12.2018

Loftus et al. gingen von der Beobachtung aus, dass verwilderte Bienen in Baumhöhlen weniger unter Varroa leiden. Sie stellten die Hypothese auf, dass die Rahmenbedingungen (Eingeschränktes Platzangebot in Baumhöhlen, keine schwarmsteuernden Eingriffe) ursächlich für die Varroaresilienz sind. Die Hypothese wurde experimentell in einem Kontrollgruppendesign überprüft und bestätigt: Völker in kleinen Bienenstöcken schwärmten häufiger, hatten im geringerem Maße  Varroa-Befall (Abb. 1) und insgesamt weniger Krankheiten sowie eine höhere Überlebensrate.

Abb. 1: Vergleich des relativen Varroabefalls in großen und kleinen Beuten.

Forschungsdesign: Loftus et. al bildeten zwei Gruppen von Bienenvölkern und überwachten sie über einen Zeitraum von zwei Jahren. Die eine Gruppe  (Untersuchungsgruppe, n=12) wurde in kleinen Bienenstöcken mit 42 Litern Volumen untergebracht und keiner schwarmsteuernden Behandlung unterzogen. Die andere Gruppe (Kontrollgruppe, n=12) wurde ein größeren Bienenstöcken bis zu 168 Litern untergebracht und üblichen schwarmsteuernden Behandlungen unterzogen. Die beiden Gruppen standen in einem großzügigen Arreal etwa 60m von einander entfernt. Gemessen wurde die Schwarmfrequenz, der Varroa-Befall und die Überlebensrate.

Kritik:

  1. Es ist zu prüfen, ob die Befunde auf deutsche Verhältnisse übertragen werden können. Zudem ist unklar, ob Schwarmkontrolle und Einengung der Behausung gegenseitig moderierende Auswirkungen auf das Untersuchungsergebnis haben.
  2. In einer Replikationsstudie wäre zu prüfen, ob der Effekt kleinerer Beuten auch bei gleicher Schwarmkontrolle auftritt.
  3. Ebenso wäre zu prüfen, ob die Schwarmkontrolle alleine bei Beihealtung der Beutengröße einen Einfluss auf die Varroaresilienz hat.
  4. Im Weiteren ist die praktische Relevanz kritisch zu prüfen. Bienen werden in Deutschland auf das Ziel Schwarmträgheit gezüchtet, jedoch gehört das Schwärmen zur genetischen Grundaustattung der Bienen und ein frei schwärmendes Volk ist selten im Interesse des Imkers.

Die Hochschule Niederrhein plant ein Vorhaben mit dem Arbeitstitel #biene40, in dem solche Untersuchungen an weitgehend digitalisierten Bienenstöcken durchgeführt werden sollen [#biene40 2018].

Quellen:

  1. Boecking, O., Genersch, E. (2008) Varroosisthe ongoing crisis in bee keeping. Consum. Protect. Food safety 3 (2), 221228
  2. Boot, W.J., Calis, J.N.M., Beetsma, J., Hai, D.M., Lan, N.K., et al. (1999) Natural selection of Varroa jacobsoni explains the different reproductive strategies in colonies of Apis cerana and Apis mellifera .Exp. Appl. Acarol. 23 (2), 133–144
  3. van Engelsdorp D, Hayes J, Underwood R, Pettis J (2008) A survey of honey bee colony losses in the U.S., Fall 2007 to Spring 2008. PLoS One 3: 4071.
  4. Ellis JD, Evans JD, Pettis J. (2010) Colony losses, managed colony population decline, and Colony Collapse Disorder in the United States. J Apic Res 49: 134–136.
  5. Fries, I., Wei, H., Shi, W., Chen Shu, J. (1996) Grooming behavior and damaged mites (Varroa jacobsoni) in Apis cerana cerana and Apis mellifera ligustica. Apidologie 27 (1), 311
  6. Le Conte Y, de Vaublanc G, Crauser D, Jeanne F, Rousselle J-C, Bécard J-M. (2007) Honey bee colonies that have survived Varroa destructor. Apidologie 38: 566–572. doi: 10.1051/apido:2007040
  7. Loftus JC, Smith ML, Seeley TD (2016) How Honey Bee Colonies Survive in the Wild: Testing the Importance of Small Nests and Frequent Swarming. PLoS ONE 11(3): e0150362. doi:10.1371/ journal.pone.0150362
  8. Locke, B. (2016) Natural Varroa mite-surviving Apis mellifera honeybee populations. Apidologie  47: 467. https://doi.org/10.1007/s13592-015-0412-8
  9. Peng, Y., Fang, Y., Xu, S., Ge, L. (1987) The resistance mechanism of the Asian honey bee, Apis cerana Fabr., to an ectoparasitic mite, Varroa jacobsoni Oudemans. J. Invertebr. Pathol 49 (1), 5460
  10. Rosenkranz, P., Aumeier, P., Ziegelmann, B. (2010) Biology and control of Varroa destructor . J. Invertebr. Pathol. 103 ,S96–S119
  11. Rinderer TE, de Guzman LI, Delatte GT, Stelzer JA, Lancaster VA, Kuznetsov V, et al. (2001) Resistance to the parasitic mite Varroa destructor in honey bees from far-eastern Russia. Apidologie 32: 381–394.
  12. Seeley TD. (2007) Honey bees of the Arnot Forest: a population of feral colonies persisting with Varroa destructor in the northeastern United States. Apidologie 38: 19–29. doi: 10.1051/apido:2006055

Internet Links:

  1. #biene40 (2018):https://twitter.com/hashtag/biene40

Wildbienen 2018

Nistmöglichkeiten für Wildbienen

Besetzungswahrscheinlichkeit unterschiedlicher Materialien

Im Frühjahr / Sommer 2018 werden hier verschiedene Materialien unter möglichst gleichen Bedingungen getestet: wie gerne werden diese Materialien von Wildbienen angenommen?

Belegung des Nistblocks (Seekiefernsperrholz) für Wildbienen

Für die Tests wurde in Zusammenarbeit mit der Schreinerei der Justizvollzugsanstalt Willich ein Rahmen entwickelt, der zur effizienten Wartung verschiedene Materialien als Nistplatzmaterial aufnehmen kann. Planung für 2018 ist, die Materialien Seekiefernsperrholz und  Gasbeton  gegeneinander zu testen. Für die Niströhrchen aus dem 3D-Drucker, die in 2019 untersucht werden sollen, wurde eine spezielle Konstruktion entwickelt, die ein Verschimmeln der Brut verhindern soll.

Besatz (Stand 30.05.2018)

Bohrung Seekiefer Gasbeton
3 mm 2 von 9 0
4 mm 8 von 9 0
6 mm 0 0
8 mm 0 0
10 mm 0 0

Besatz (Stand 30.09.2018

Bohrung Seekiefer Gasbeton
3 mm 9 von 9 0
4 mm 9 von 9 0
6 mm 0 0
8 mm 0 0
10 mm 0 0

Fazit 2018: Alle Bohrungen 3-4 mm in Holz wurden angenommen. Gasbeton wird als Nistgelegenheit gar nicht angenommen.

Vorhaben #biene40:

Insbesondere in diesem Frühjahr war der Rückgang der Anzahl der (Wild-) Bienen und Hummeln schon deutlich zu spüren. Die Förderung der nützlichen Insekten insbesondere im urbanen Raum ist dringend erforderlich. Insektenschutz wird i.W. aktiv von Hobbyisten betrieben. Diesen sollen Hilfsmittel und Motivationsinstrumente zur Verfügung gestellt werden:

Durch empirische Untersuchung von Unterstützungsmaßnahmen könnte ein Katalog entwickelt werden, welche Maßnahmen nachweislich zu einer höheren Dichte von Wildbienen und Hummeln unter ansonsten gleichen Bedingungen führen.

Durch die Verknüpfung von Digitalisierung (sprich Technik) und Naturschutz wird es vielleicht möglich sein, ganz andere Menschen für aktiven Wildbienenschutz und Hummelschutz zu akquirieren, die sich bislang nicht für Hautflügler begeistern können: Die Computer-Nerds.

Einige Aktivitäten zur Vorbereitung des Vorhabens sind unter http://twitter.com/hashtag/biene40 zu finden.

Youtube Videos:

Bienen nehmen Futterteig im Brutraum Ende September sofort an 180929

Bienen tragen Ende September noch Pollen ein 180928

Wespennest brennt nicht 180826

Bienen sind harmlos 180809

#biene40 Impressionen Wildblumenwiese und Bienen 180623

Raspberry Pi-Workshop für Lehrer/innen an der Hochschule Niederrhein

 

Am 28. September 2017 fand an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach erstmalig ein Lehrerworkshop statt, um die Teilnehmer über verschiedene Einsatzmöglichkeiten des Mini-Computers Raspberry Pi zu informieren. Insgesamt 10 Lehrkräfte nahmen an der von Prof. Dr. Claus Brell durchgeführten, dreistündigen Veranstaltung teil. Ziel des Workshops war es, die grundlegende Technik und Funktionsweise des Raspberry Pi-Computers zu erläutern sowie die Möglichkeiten der Einbindung in den Schulalltag aufzuzeigen. Insbesondere der fächerverbindende Unterricht stand im Fokus.

Wozu ist der Raspi gut? Der gerade Mal kreditkartengroße Mini-Computer ist dabei für eine Vielzahl von Anwendungen geeignet. So lässt sich das Gerät als Gamification-Element nutzen oder Weiterlesen