{"id":148,"date":"2018-10-12T13:41:35","date_gmt":"2018-10-12T11:41:35","guid":{"rendered":"https:\/\/cbrell.de\/blog\/?p=148"},"modified":"2018-10-12T13:51:04","modified_gmt":"2018-10-12T11:51:04","slug":"gladbacher-crowd-solving-konzept","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cbrell.de\/blog\/gladbacher-crowd-solving-konzept\/","title":{"rendered":"Das Gladbacher Crowd Solving Konzept"},"content":{"rendered":"<p><strong>Crowd Solving<\/strong> oder <strong>Crowdsolving<\/strong> ( von englisch crowd f\u00fcr \u201a(Menschen-)Menge\u2018, und solving f\u00fcr \u201aProbleml\u00f6sen&#8216; ) ist eine Probleml\u00f6sungsmethode, die die Zusammenarbeit vieler Menschen, Gemeinschaften, Gruppen oder Ressourcen beinhaltet. Crowd Solving kann als Untermenge von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Crowdsolving\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Crowd Sourcing<\/a> mit Fokus auf komplexe und intellektuell anspruchsvolle Problemstellungen, die einen betr\u00e4chtlichen Aufwand erfordern, gesehen werden (Geiger, Rosemann &amp; Field 2011). F\u00fcr Fragestellungen in der Wirtschaftsinformatik wurde Crowd Solving am Forschungsinstitut <a href=\"https:\/\/www.hs-niederrhein.de\/forschung\/gemit\/\">GEMIT<\/a> der Hochschule Niederrhein in M\u00f6nchengladbach zu einem generischen Ansatz zur Verkehrsoptimierung f\u00fcr logistikintensive Gebiete, dem <strong>Gladbacher Crowd Solving Konzept<\/strong>, weiterentwickelt.<\/p>\n<h2>Funktionsweise des Gladbacher Crowd Solving Konzeptes<\/h2>\n<p>Crowd Solving ist im Grundsatz ein einfacher Ansatz und wird in englischsprachigen Raum seit 2015 f\u00fcr viele Anwendungsfelder verwendet. Das Grundprinzip ist, dass eine Probleml\u00f6sung dadurch gefunden wird, dass sich eine gro\u00dfe Menge an Menschen daran beteiligt. Damit gibt es inhaltliche \u00dcberschneidungen z.B. zu Open Innovation. Crowd Solving im Gladbacher Crowd Solving Konzept beruht darauf, dass viele Akteure in einem logistikintensiven Gebiet ihre Vorhaben und kurzfristigen Planungen transparent machen und alle Akteure Zugang zu diesen Informationen erhalten. Weiterhin werden die Informationen mit weiteren relevanten Daten, die allgemein verf\u00fcgbar aber nicht an einer Stelle geb\u00fcndelt sind, angereichert. In einem spieltheorie|spieltheoretischen Ansatz kann nun jeder Akteur entscheiden, ob er sein Verhalten aufgrund der erhaltenen Informationen modifiziert und diese Verhaltens\u00e4nderung wiederum bekannt macht. Dadurch, dass alle Akteure nun ihr Verhalten an den verf\u00fcgbaren Informationen ausrichten, wird eine deutliche Reduktion von Verkehrsspitzen erwartet.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich kann das Konzept \u00fcber ein Plattformmodell implementiert werden. Dabei werden zun\u00e4chst kontinuierlich Daten gesammelt und geeignet zusammengef\u00fchrt. Datenquellen k\u00f6nnen Menschen sein, aber auch Sensoren und Maschinen (vgl. Abb. 1). Ebenso k\u00f6nnen weitere, auch unstrukturierte Daten einflie\u00dfen. F\u00fcr die Anreicherung mit unstrukturierten Daten (Wetterdaten, Facebook- und Twittermeldungen &#8230;) k\u00f6nnen Big-Data-Ans\u00e4tze zum Einsatz kommen. Nach einer Aufbereitung entsprechend einem Data-Warehouse-Ansatz werden die Daten \u00fcber eine Datendrehscheibe wieder an die Akteure verteilt. Damit \u00e4hnelt Crowd Solving im Gladbacher Crowd Solving Konzept einem Management-Informationssystem, Zielgruppe besteht hier allerdings aus allen am System beteiligten Menschen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/cbrell.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/crowdsolving.png\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-154\" src=\"https:\/\/cbrell.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/crowdsolving-300x288.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"288\" srcset=\"https:\/\/cbrell.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/crowdsolving-300x288.png 300w, https:\/\/cbrell.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/crowdsolving-768x738.png 768w, https:\/\/cbrell.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/crowdsolving.png 1024w, https:\/\/cbrell.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/crowdsolving-624x600.png 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Abb. 1: Gladbachewr Crowd-Solving-Konzept<\/p>\n<h2>Technische Umsetzung des Gladbacher Crowd Solving Konzepts<\/h2>\n<p>Eine erste Umsetzung erf\u00e4hrt das Gladbacher Crowd Solving Konzept im EFRE gef\u00f6rderten Forschungsprojekt &#8222;logistiCS.NRW&#8220; (Sonntag 2018; 3. Forschungsbericht der Hochschule Niederrhein 2018). Das Projekt hat zum prim\u00e4ren Ziel, durch intelligenten Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) zeitnah die Situation f\u00fcr den Verkehr in den Neuss-D\u00fcsseldorfer H\u00e4fen zu verbessern und dadurch als sekund\u00e4res Ziel eine Entspannung des Verkehrs im Umfeld des Hafens zu erreichen. Das Vorhaben zielt mit Blick auf wachsenden G\u00fcterumschlag auf eine Verkehrsverbesserung f\u00fcr die mittelbare Zukunft. Damit adressiert das Vorhaben zus\u00e4tzlich zu Innovationen durch IKT f\u00fcr die Logistik auch soziale und \u00f6kologische Nachhaltigkeitsaspekte. Im Gegensatz zu technikgetriebenen und infrastrukturlastigen L\u00f6sungsans\u00e4tzen in anderen H\u00e4fen setzt dieses Vorhaben auf schlanke, einfach umzusetzende und eher konzeptionelle L\u00f6sungen. Kern ist das sogenannte \u201eCrowd Solving\u201c, ein Konzept zur Zusammenf\u00fchrung, Aufbereitung und nachfolgenden Distribution logistikrelevanter Informationen an die Akteure im Hafen, sodass jeder einzelne Akteur seine Aktivit\u00e4ten an der verbesserten Informationslage ausrichten kann und sich so die Verkehrssituation insgesamt entspannt. Die Informationszusammenf\u00fchrung und Informationsbewertung nutzen aktuelle, aber bew\u00e4hrte IKT-Ans\u00e4tze aus verschiedenen Fachdisziplinen (Industrie 4.0, Process Mining, Data Warehouse und Extract-Transform-Load (ETL)-Prozesse, Big Data). Dabei sollen bereits erfolgreich eingesetzte organisatorische und informationstechnische L\u00f6sungen der Anrainer in ein schl\u00fcssiges Gesamtkonzept integriert werden.<\/p>\n<p>Obgleich der konzeptionelle Ansatz des Konzeptes sehr einfach ist, ist erst jetzt mit der Verf\u00fcgbarkeit von leistungsstarken mobilen Internet-Zug\u00e4ngen eine Implementierung zu geringen Kosten m\u00f6glich. Kern der technischen Umsetzung sind Webservices, die Informationen sammeln und entgegennehmen und \u00fcber ein Dashboard allen beteiligten Akteuren zur Verf\u00fcgung stellen. Neben der Verf\u00fcgbarkeit der Informationen \u00fcber ein Dashboard wird beispielsweise auch SMS f\u00fcr Benachrichtigungen eingesetzt.<\/p>\n<h2>Empirische Befunde<\/h2>\n<p>In 2017 wurde in einer empirischen Untersuchung die Bereitschaft der Akteure untersucht, Informationen bereitzustellen bzw. Informationen zu nutzen. Erwartungsgem\u00e4\u00df ist die Bereitschaft, Informationen zu nutzen, gr\u00f6\u00dfer als die Bereitschaft, selber Informationen zu liefern (Kuron &amp; Brell, 2018)<\/p>\n<h2>F\u00f6rderung der aktiven Teilnahme durch Gamification<\/h2>\n<p>Um insbesondere die aktive Teilnahme und die Motivation (McClelland 1988)der Akteure am Gladbacher Crowd Solving Konzept zu erh\u00f6hen, werden Gamification-Ans\u00e4tze\u00a0 (Herger 2014; Brell, 2018) in des Konzept integriert.<\/p>\n<p>Spiel-Design-Elemente (Schell 2016) sind direktes Feedback, Schaffung von Gemeinschaften, mittelbare realweltliche Vorteile.<\/p>\n<h2>Crowd Solving im Kontext der Digitalen Agenda<\/h2>\n<p>Im Fachgespr\u00e4ch zum Thema Digitalisierung und Entwicklungszusammenarbeit des Ausschusses Digitale Agenda]] des Deutscher Bundestag|Deutschen Bundestags am 9. November 2016 (Schwaab 2016) wurde Crowd Solving als Methode der Probleml\u00f6sung und Budgetplanung f\u00fcr die Handlungsfelder der gezielten St\u00e4rkung von Menschenrechten und Teilhabe z.B. durch<\/p>\n<ul>\n<li>Digitale Anwendungen f\u00fcr Transparenz gegen Korruption und Gewalt (Apps gegen Korruption, Apps gegen Gewalt an Frauen, Plattformen f\u00fcr Vertrieb und e-Commerce, die eine unmittelbare Interaktion zwischen Verk\u00e4ufer (z.B. Bauer) und K\u00e4ufer (z.B. H\u00e4ndler) in Entwicklungsl\u00e4ndern erm\u00f6glichen) oder<\/li>\n<li>Digitale Anwendungen f\u00fcr B\u00fcrgerbeteiligung und -dialog<\/li>\n<\/ul>\n<p>gesehen.<\/p>\n<h2><strong>Einzelnachweise<\/strong><\/h2>\n<ol>\n<li>Geiger D, Rosemann M, Fielt E (2011): <em>Crowdsourcing information systems: a systems theory perspective.<\/em> In: Proceedings of the 22nd Australasian Conference on Information Systems (ACIS 2011).<\/li>\n<li>Herger, Mario (2014): <em>Enterprise Gamification \u2013 Engaging People by letting them have fun.<\/em><\/li>\n<li>Brell, Claus (2018): <em>Wie Gamification den Methodenapparat der Wirtschaftsinformatik bereichert.<\/em>\u00a0In: Informatik Aktuell. Alkmene Verlagsgesellschaft. Frechen. <a href=\"https:\/\/www.informatik-aktuell.de\/management-und-recht\/projektmanagement\/wie-gamification-den-methodenapparat-der-wirtschaftsinformatik-bereichert.html\">https:\/\/www.informatik-aktuell.de\/management-und-recht\/projektmanagement\/wie-gamification-den-methodenapparat-der-wirtschaftsinformatik-bereichert.html<\/a><\/li>\n<li>Kuron, Ralf; Brell, Claus (2018): <em>Informationen verf\u00fcgbar machen.<\/em> In: Hafenzeitung 02\/2018. D\u00fcsseldorf. S. 3. <a href=\"http:\/\/hafenzeitung.de\/downloads\/archiv\/pdf\/hafen-zeitung_2018_02.pdf\">http:\/\/hafenzeitung.de\/downloads\/archiv\/pdf\/hafen-zeitung_2018_02.pdf<\/a> .<\/li>\n<li>McClelland, David Clarence. (1988): <em>Human motivation.<\/em> Cambridge University Press<\/li>\n<li>Schell, Jesse (2016): <em>Die Kunst des Game-Designs \u2013 Bessere Games konzipieren und entwickeln.<\/em> 2. Auflage. Frechen, mitp<\/li>\n<li>Sonntag, Christian (2018): &#8220;Auf den Fahrer kommt es an.&#8220; In: NIU &#8211; Das Magazin der Hochschule Niederrhein. Krefeld. S. 36-37.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.hs-niederrhein.de\/niu\/\">https:\/\/www.hs-niederrhein.de\/niu\/<\/a><\/li>\n<li>o.A.: &#8220;Knoten l\u00f6sen &#8211; Verkehrskollaps vermeiden.&#8220; In: Vizepr\u00e4sident f\u00fcr Forschung und Transfer (2018): Forschungsbericht #3. Krefeld. S. 68-69.<a href=\"https:\/\/www.hs-niederrhein.de\/fileadmin\/dateien\/presse\/Forschungsbericht__3_web.pdf\">\u00a0https:\/\/www.hs-niederrhein.de\/fileadmin\/dateien\/presse\/Forschungsbericht__3_web.pdf<\/a><\/li>\n<li>Schwaab, Jan (2018): Fragenkatalog f\u00fcr das Fachgespr\u00e4ch zum Thema \u201eDigitalisierung und Entwicklungszusammenarbeit\u201c des Ausschusses Digitale Agenda am 9. November 2016. Ausschussdrucksache A-Drs. 18(24)113, Deuscher Bundestag. S. 5 <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/blob\/479222\/54193d4d5062ccbcd675288a7e712f73\/stellungnahme-schwaab-data.pdf\">https:\/\/www.bundestag.de\/blob\/479222\/54193d4d5062ccbcd675288a7e712f73\/stellungnahme-schwaab-data.pdf<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><strong>Weblinks<\/strong><\/h2>\n<ol>\n<li><a href=\"http:\/\/logistics.traffgoroad.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/logistics.traffgoroad.com<\/a> (logistiCS Projektseite, Hochschule Niederrhein, Traffgo Road GmbH)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.hs-niederrhein.de\/news\/news-detailseite\/forschungsprojekt-will-verkehrsprobleme-mit-moderner-it-bekaempfen-17325\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.hs-niederrhein.de\/news\/news-detailseite\/forschungsprojekt-will-verkehrsprobleme-mit-moderner-it-bekaempfen-17325\/<\/a> (Forschungsprojekt will Verkehrsprobleme mit moderner IT bek\u00e4mpfen, Pressemeldung der Hochschule Niederrhein vom 10.05.2017)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.beckershospitalreview.com\/human-capital-and-risk\/crowd-solving-the-employee-retention-crisis-keeping-nurses-on-the-job-and-keeping-them-happy.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.beckershospitalreview.com\/human-capital-and-risk\/crowd-solving-the-employee-retention-crisis-keeping-nurses-on-the-job-and-keeping-them-happy.html<\/a> (Johnson, Christina (2017) <em>Crowd-solving the employee retention crisis: Keeping nurses on the job and keeping them happy<\/em>.)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/solve.mit.edu\/articles\/crowdsolving-for-the-workforce-of-the-future\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/solve.mit.edu\/articles\/crowdsolving-for-the-workforce-of-the-future<\/a> (CrowdSolving for the Workforce of the Future, MIT, 2017)<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cbrell.de\/zaehler?x=4523\"><\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\" data-services=\"facebook\" data-url=\"https:\/\/cbrell.de\/blog\/gladbacher-crowd-solving-konzept\/\" data-timestamp=\"1539352264\" data-backendurl=\"https:\/\/cbrell.de\/blog\/wp-json\/shariff\/v1\/share_counts?\"><div class=\"ShariffHeadline\">Teile diesen Beitrag.<\/div><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fcbrell.de%2Fblog%2Fgladbacher-crowd-solving-konzept%2F&text=Das%20Gladbacher%20Crowd%20Solving%20Konzept\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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